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380 Ektehard.

und mich von ihnen abſondern, denn ſie ſind Lügner
und treulos zuſammen“, ſprach er mit den Worten des
Propheten?⸗, nachdem er dem Leutprieſter ſein Leid
geklagt.
Da wies ihm der Alte den Säntis.
„Haſt recht“, ſprach Moengal. „Der heilige Gallus
hat's ebenſo gemacht. ‚In der Einſamkeit will ich ver⸗
harren und auf den warten, der meine Seele geſund
machen ſoll?sse, er wär' vielleicht kein Heiliger gewor—
den, wenn er anders geſagt und getan hätte. Verbeiß'
deinen Schmerz. Wenn der Adler ſiech wird und ſeine
Augen dunkeln und ſeine Federn zergehen wollen, ſteigt
er himmelan, ſo weit ihn ſeine Schwingen tragen?ss.
Sonnennähe verjüngt. Tue desgleichen. Ich weiß dir
ein gut Plätzlein zum Geſunden.“
Er beſchrieb ihm den Weg.
„Du wirſt einen droben finden“, fuhr er fort, „der
ſeit zwanzig Fahren nicht mehr viel von der Welt ge—
ſehen hat, er heißt Gottſchalk. Grüß ihn von mir; ſo
Gott will, ſind ſeine Sünden vergeben.“
Der Leutprieſter verſchwieg aber, um welcher Sün—
den willen ſein ehemaliger Freund dort Buße tat. Den
hatte in teuern Zeiten das Kloſter einſt ins Welſchland
geſendet, Korn einzukaufen, da kam er gen Verona
und ward gut aufgenommen vom ſtreitſüchtigen Biſchof
Ratherius, und tat ſeine Andacht in der ehrwürdigen
Kathedralkirche. Dort lag unverſchloſſen im güldenen
Sarg der Leib der heiligen Anaſtaſia, und die Kirche
war leer und den Gottſchalk verführte der Teufel, daß
er nach Deutſchland wollte ein Angedenken mitbringen,
da nahm er von der Heiligen Leib ſoviel er unter ſei—
ner Kutte mitſchleppen konnte?s: einen Arm und einen
Fuß und etliche Wirbelknochen, und fuhr heimlich von
dannenss. Aber ſeine Ruhe war verloren von jener
Stunde, in Wachen und Traum ſtand die Heilige vor ihm,
ſie ging an der Krücke verſtümmelt und zerriſſen und for⸗
derte ihren Arm zurück und ihren Fuß — über Schluch—
ten und Alpenpäſſe folgte ſie ihm, an der Schwelle des

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