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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0383
382 Ektehard.

Dann tat er einen Schrei, wie er unter Leuten im Ge—
birg' als Anruf üblich iſt. Aber niemand erſchien. Nähere
Umſchau zeigte, daß der Einſiedel nicht erſt ſeit heute
die Klauſe verlaſſen. In einem Krug war Milch zur
Kruſte eingetrocknet. Da trat Ekkehard betrübt wieder
auf den ſchmalen Streif Erdreich, der zwiſchen Höhle
und Abgrund das Stehen ermöglichte. Sein Blick wandte
ſich zur Linken. In weiter Ferne blaute ein Stück Bo⸗
denſee über den Bergrücken. Die Pracht der Gebirgs—
welt vermochte nicht ein Gefühl von unendlichem Weh
zu bannen. Einſam und gottverlaſſen ſtand er auf der
jachen Höhe. Er reckte ſein Ohr, als müſſe er eines Men⸗
ſchen Stimme erlauſchen. Aber nur das einförmig leiſe
Rauſchen des Windes durch die Tannen der Tiefe tönte
herauf. L
Seine Augen wurden feucht.
Es war ſpät geworden. Wohin?..·Ein ſtarker Hunger
zerſtreute ſeine Gedanken. Er trug noch für drei Tage
Speiſe bei ſich. Da ſetzte er ſich vor die Höhle und ver—
zehrte unter Tränen ſeinen Abendimbiß. Sein Berg
warf lange blaue Schatten auf die Wände genüber, nur
die ſteinernen Gipfel glühten noch im Sonnenlicht.
„Solang' das Kreuz am Felſen ſteht, werd' ich nie
ganz verlaſſen ſein!“ ſprach er. Er trug etliches Gras
vom Abhang zuſammen und richtete ſich ein Lager auf
die Stelle des vermoderten. Kühle Nachtluft zog herauf.
Da hüllte er ſich in Moengals geſchenkten Mantel und
legte ſich nieder. Der Schlaf iſt ein gutes Heilmittel für
die Leiden der Jugend. Er kam auch über Ekkehard trotz
Herzeleid und einſamer Felswildnis. G
Die erſte Dämmerung des Morgens zog über dem
Haupte des Kamor auf, nur der Tagſtern?“ ſchien noch
in ſchöner Farbe, da fuhr Ekkehard aus dem Schlummer.
Es war ihm, als hab' er ein luſtig ſcharfes Hirtenjauchzen
gehört. Dann glänzte im tiefen dunkeln Grund der
Höhle ein Licht auf. Er glaubte zu träumen, als läg' er
noch im Kerker, und Praxedis nahe befreiend. Aber das
Licht kam näher, Fackelglanz brennenden Kienſpans; eine

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