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384 Ekkehard.
„Beim Strahl! da kommt Ihr zu ſpät“, ſprach der
Senn. „Der hat ſich verfallen im vorigen Herbſt?“s, es
war eine böſe Geſchichte. Schaut auf!“ — er wies ihm eine
Felswand in die Tiefe, — „auf jenen Hang iſt er ins Laub⸗
ſammeln gegangen, ich hab' ihm ſelber geholfen: da fuhr
er auf einmal empor, als hätt' ihn eine Schlange gebiſſen,
gegenüber auf den hohen Kaſten hat er gedeutet, eilige
Anaſtaſia', rief er, du biſt wieder ganz und ſtehſt auf bei⸗
den Füßen und winkſt mit beiden Armen!.. .auf und
davon iſt er geſprungen, als wär' zwiſchen dem Fels unten
und dem hohen Kaſten drüben kein Tal und kein Abgrund,
mit kyrie eleison! ging's in die greuliche Tiefe — Gott
hab' ihn ſelig! Aber erſt im heurigen Frühjahr haben wir
den Leichnam gefunden, zerklemmt in den Felſen, und
die Lämmergeier waren drüber und haben einen Arm und
ein Bein vertragen, kein Menſch weiß wohin ...“
„Mach' ihm keine Angſt!“ ſprach die Maid und ſtieß
den Sennen an.
„Deswegen mögt Ihr Euch doch bei uns feſtſetzen“,
ſprach der Senn. „Ihr bekommt, was wir dem Gottſchalk
gaben, Milch und Käs und drei Ziegen in den Stall, die
mögen graſen, wo ſie wollen. Im Notfall mögt Ihr auch
mehr heiſchen, wir hier oben ſind keine Geizkrägen und
Musmehlſpalter. Ihr predigt uns dafür an den Sonn—
tagen und ſprecht den Segen über Alm und Weiden, daß
Wetter und Bergſturz kein Verderb bringen, und läutet
die Tagszeit.“
Ekkehard ſah zweifelhaft in den ſtarren Höhlenraum.
Es tat ihm wunderwohl, Menſchen in der Nähe zu wiſſen,
aber rätſelhaft war's, woher ſie kamen. „Sind Eure
Almen in des Berges Tiefe?“ fragte er lächelnd.
„Er weiß nicht, wo die Ebenalp ſteht!“ ſprach das Hir⸗
tenkind mitleidig. „gIch will's Euch zeigen!“
Ihr Kienſpan brannte noch.
Sie wandͤtte ſich dem Innern der Höhle zu, die Männer
folgten ihr. Da ging's durch enge dunkle Wölbung ins
Innere des Berges, niedergeſtürztes Geſtein ſperrte den
Pfad, oft mußten ſie gebückt weiter kriechen. Scharfe röt-
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