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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0387
386 Ekkehard.

— „das iſt der hohe Säntis, der iſt Herr in den Bergen,
vor dem ſchwenken wir den Hut, ſonſt vor niemand. Dort
zur Rechten iſt der blaue Schnee; da war früher Alm und
Weide und ſaß ein übermütiger Mann drauf, der war ein
Rieſe und ihm wuchſen die Herden und der Stolz, daß er
ſprach: ‚ich will König ſein über alles, was mein Auge
umfaßt! Aber in des Säntis Tiefen hub ſich ein Donnern
und Beben und der Felsgrund regte ſich und Eisſtröme
rannen hervor und deckten den Rieſen ſamt Hütte und
Stall und Vieh und Alm, und vom blauen Schnee weht's
jetzt noch frierend herunter, — ein Denkzeichen, daß neben
dem Alten der Berge keiner zur Herrſchaft berufen!“
Der Hirt ſchuf Ekkehard Vertrauen. Trotzige Kraft
und gutes Herz ſtrömte in ſeinen Worten. Sein Kind hatte
einen Strauß Alpenroſen gepflückt und reichte ſie Ekke—
hard dar. L
„Wie heißt du?“ fragte er.
„Benedicta“, ſprach ſie.
„Das iſt ein guter Name“, ſagte Ekkehard und ſteckte die
Alpenroſen in den Gürtel ſeiner Kutte; „ich bleibe bei euch!“
Da ſchüttelte ihm der alte Senne die Rechte, daß ſie
in ihren Grundfeſten erbebte, dann griff er das Alphorn,
das er an rohhäutigem Riemen auf der Schulter trug, und
blies ein ſeltſam klingendes Zeichen. Aus Höhen und Tie-
fen klang's antwortend herüber, die benachbarten Sennen
kamen herbei, ſtarke wilde Hirten, und ſtanden zu dem
Alten, den ſie in der Frühlingszeit ſeiner Tüchtigkeit halber

zum Alpmeiſter und Aufſeher über die Bergweiden der

Ebenalp erwählt. L L
„Wir haben einen Bergbruder überkommen“, ſprach
er, „es wird keiner von euch dawider ſchelten und toſen?*¹?“
Und ſie erhoben alle die Hände als Zeichen der Zuſtim⸗
mung und gingen auf Ekkehard zu und hießen ihn will⸗-
kommen, und er ward gerührt und machte das Zeichen
des Kreuzes über ſie.
So ward Ekkehard Einſiedel auf dem Wildkirchlein und
wußte eigentlich ſelber nicht wie. Der Senn von der Eben⸗
alp hielt Wort und half ihm, ſich einzurichten, und ſtellte

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