Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0390
10

22. Auf dem Wildkirchlein. 389

einmal die Aufgabe gelöſt, eine Geſchichte zu erzählen,
wie Herr Spazzo und Praxedis. „Ekkehard, du biſt
lächerlich geworden“, ſprach er höhniſch leiſe zu ſich ſelber
und vermeinte dabei, er müſſe an den n Felswänden ſein
Gehirn anrennen.
Melancholiſch Gemüt zehrt lang' an erlittener Beſchä⸗
digung und vergißt in ſeinem Brüten, daß tadelhafte Tat
nur durch nachfolgende beſſere im Gemüt der Menſchen
verwiſcht wird.
Darum war Ekkehard noch nicht reif für die klärenden
Wonnen der Einſamkeit. Der haftende Eindruck vergan-
genen Leids tat eine ſeltſame Wirkung; wenn er in ſeiner
Höhlenſtille ſaß, glaubte er Stimmen zu hören, die ſpot-

tend mit ihm plauderten von törichten Hoffnungen und

15⁵

den Täuſchungen der Welt, Flug und Ruf der Vögel klang
ihm wie kreiſchender Schrei der Dämonen und ſein Gebet
half nicht dawider. Wenn Schauer der Wiloͤnis den Geiſt
erfüllt, täuſcht ſich Ohr und Auge und glaubt die alten
Sagen, daß alles von Mitte der Luft bis hernieder und
die Erde ſelber, da wo ſie unbauhaft?“s, erfüllt ſei vom
Reigentanz ewig lebender Geiſter.
Es war eine weiche würzige Spätſommernacht, er
wollte ſich auf ſein einfach Lager werfen, da ſchien der
Mond in ſcharfem Glanz die Höhle an, zwei weiße Wolken
zogen langſam einander nach, er hörte, wie ſie zueinan—
der ſprachen, und die eine Wolke war Frau Hadwig, die
andere Praxedis. „Ich will doch ſehen, wie die Ruheſtatt
eines flüchtigen Toren ausſieht“, ſprach die vordere weiße
Wolke und ſtreifte eilend über die Scheitel der wagrechten
Wände und ſtand gegenüber der Höhle über dem Kamor,
dann ſenkte ſie ſich nieder zu den Tannen, die talab in
unzähligen Reihen ſtanden: „Er iſt's!“ rief die Wolke,
„greifet den Frevler!“ und die Tannen wurden lauter
Mönche, tauſend und aber tauſend, und wurden lebendig
und zogen wimmelnd aus und begannen die Abhänge
des Wildkirchlein zu erſteigen, pſalmend und rutenſchwin⸗
gend — da ſprang Ekkehard ſchauernd auf und griff ſeinen
Speer — itzt war's, als wenn Frrlichter aus der Höhlen—


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0390