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392 Etkehard.

gang begegnete, hat geſagt, Ihr ſeid den Berg herauf—
gewankt wie ein Nachtwandler.“
Sie ging und läutete die Mittagglocke für ihn.

Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
Auf der Ebenalp.

GSechs Tage lang war Ekkehard krank gelegen. Die
Sennen pflegten ihn, ein Trank aus blauem Enzian ge—
kocht, ſchwichtigte das Fieber. Die Alpenluft tat das ihre.

Eine ſtarke Erſchütterung war ihm notwendig geweſen,

um an Körper und Geiſt das geſtörte Gleichgewicht her-
zuſtellen. Zetzt war's in Ordnung. Er hörte keine Stim—
men und ſah keine Phantasmen mehr. Lindes Gefühl
von Ruhe und aufſproſſender Geſundheit durchſtrömte ihn;
es war jener Zuſtand ſanfter Unkraft, der ſchwermütigen
geneſenden Menſchen ſo wohl anſteht. Sein Denken war
ernſt, aber nimmer bitter.
„Ich hab' von den Bergen was gelernt“, ſprach er zu
ſich ſelber, „Toben hilft nicht, wenn auch die zauberreichſte
Maid vor uns ſitzt, der Menſch muß von Stein werden,
wie der Säntis, und kühlenden Eispanzer ums Herz
legen, kaum der Traum der Nacht ſoll wiſſen, wie es
drinnen kocht und glüht, das iſt beſſer.“
Und mählich ward ihm die Trübſal der letzten Ver—
gangenheit in mildem Duft verklärt; er dachte an die
Herzogin und alles, was auf dem hohen Twiel geſchehen,
es tat ihm nimmer weh. Und das iſt das Fürtreffliche
gewaltiger Natur, daß ſie nicht nur ſich ſelber als ein
mächtig wirkend Bild vor den Beſchauenden ſtellt, ſon-
dern den Geiſt überhaupt ausweitend anregt und fern—
liegende verſchwundene Zeit im Gedächtnis wieder herauf⸗
beſchwört. Ekkehard hatte lang' nimmer auf die Tage
ſeiner Fugend rückgeſchaut, jetzt flüchtete ſich ſein Denken
am liebſten dorthin, als wär' es ein Paradiesgarten, aus
dem ihn der Sturm des Lebens hinausgeweht. Er hatte

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etliche Fahre in der Kloſterſchule zu Lorſch am Rheine ver- 35


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