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23. Auf der Ebenalp. 395
iſt grün und mein Mut iſt ſtark, und wer weiß, was die
Folge der Zeiten bringt!“
Und ein andermal gingen ſie am Geſtade des Rhei⸗—
nes und die Sonne ſpiegelte ſich über den Bergen des
Wasgauwaldes herunter in den Wellen, da ſprach Konrad:
„Für dich wüßt' ich auch einen Sang, der iſt einfach und
nicht allzu herb und paßt zu deinem Gemüt, denn du
horchſt lieber dem Schalle des Jagdhorns als dem Rollen
des Donners. Schau auf! ſo wie heute hat einſt die Zinne
von Worms herübergeglänzt, da der Held Walthari von
Aquitanien aus der Hunnengefangenſchaft fliehend ins
Frankenland ritt; hier hat ihn der Ferg' übergefahren
ſamt ſeiner Liebſten und ſeinem Goldſchatz, nach dem
Walde iſt er geritten, der dort blaudunkel ragt, das gab
am Waſichenſtein ein hartes Fechten und Funkenſprühen
von Helm und Schilden, da ihm die Wormſer nachrück—
ten, aber die Lieb' und ein gut Gewiſſen hat den Wal—
thari ſtark gemacht, daß er ſie alle beſtand, den König
Gunther und Hagen ſelbſt, den Grimmen.“
Und er hatte ihm die Sage weitläufig erzählt; „um
große Rieſenbäume treibt allerhand wilder Schoß“, ſprach
er, „ſo iſt auch um die Nibelungenſage ringsum viel
aͤnder Buſchwerk aufgeſprießt, aus dem ſich etwas zu—
ſchneiden läßt, wenn einer Freude dran hat; ſing' du den
Walthari!“
Aber Ekkehard ließ damals Kieſel über die Rheinflut
tanzen und verſtand ſeinen Freund nur halb; er war ein
frommer Schüler und ſein Sinn aufs nächſte gerichtet.
Die Zeit trennte die beiden, und Konrad mußte die Klo⸗
ſterſchule fliehen, weil er einſt geſagt, des Ariſtoteles Lo⸗
gika ſei eitel leeres Stroh, und war in die weite Welt
gegangen, niemand wußte wohin, und Ekkehard kam nach
Sankt Gallen und hatte fort und fort ſtudiert und war ein
verſtändiger junger Mann geworden, den ſie zum Pro⸗
feſſor tauglich fanden, und dachte an den Alzeyer Kon—
rad oft ſchier mit einem vornehmen Mitleid.
Aber ein triebkräftig Samenkorn kann in des Men—
ſchen Herz lange verborgen ruhen und geht zuletzt doch
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