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23. Auf der Ebenalp. 399

der von der Stelle bringen. Die Bärin ſaß auf ihrem
Stein und ſchaute betrübt herunter und brummte und
warf einen feuchten Blick auf Ekkeharoͤ, als habe ſie ihn
verſtanden. Dann ſtieg ſie hernieder, aber nicht wie zum
Angriff; die Männer banden Fichtengezweig zu einer
Schlinge zuſammen, die Beute fortzuſchleifen, ſie traten
zurück, Beil und Speer geſchwungen, die Bärenwitib
aber beugte ſich über den toten Ehegeſpons und biß ihm

das rechte Ohr ab und fraß es auf zu ewigem Ange—

denken an glückliches Ehemals, dann wandte ſie ſich gegen
Ekkehard, auf den Hinterfüßen einherwandelnd. Er er—
ſchrak, als drohte ihm eine Umarmung, da ſchlug er ein

Kreuz und ſprach den Bärenſegen des heiligen Gallus

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wider ſie: „Zeuch aus und weiche von unſerem Tal, du
Ungetüm des Waldes, Berg und Alpenſchlucht ſeien dein
Revier, uns aber laß in Ruh' und die Herden der Alm?ss.“
Und die Bärin war ſtill geſtanden, im Aug' einen bitter
wehmütigen Blick, als wäre ſie gekränkt ob der Verſchmä⸗
hung ihres Gefühls, ſie ließ die Tatzen zur Erde ſinken,
drehte dem Bannenden den Rücken und ſchritt auf allen
vieren von dannen. Noch zweimal hatte ſie umgeſchaut,
ehe ſie aus dem Blick der Bergbewohner verſchwand.
„So ein Tier hat zwölf Männer Verſtand und ſieht
dem Menſchen an den Augen an, was er will“, ſprach
der Senn, ſonſt würd' ich ſagen: „Ihr ſeid ein heiliger
Mann, daß Euch die Bölkerſchaften der Wildnis ge—
horchen.“
Er wiegte die Tatzen des Toten prüfend im Arm:
„Juhuhu, das wird ein Feſtſchmaus. Die verzehren
wir am nächſten Sonntag, Bergbruder, und ein Salät⸗-
lein von Alpenkräutern dazu. Das Fleiſch gibt Winter-
vorrat für uns zweibeide, ums Fell loſen wir.“
Wie ſie das Opfer der Lawine zum Wildkirchlein
emporſchleiften, ſang Benedicta:

„Und wer Schneeglöcklein graben will
Und hat das Glück dabei,
Der gräbt wohl einen Bären aus
Und gräbt auch ihrer zwei.“


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