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400 Ekkehard.
Der Schnee war ein luftiger Flutterſchnee?* geweſen
und war in Bälde wieder zerſchmolzen, Spätſommer zog
noch einmal mit herzwärmender Kraft in den Bergen
ein, ein ſtiller Sonntagfriede lag über dem Hochland.
Ekkehard hatte des Mittags mit dem Senn und ſei—
ner Tochter die Bärentatzen verzehrt, eine lecker kräftige
Speifſe, rauh, aber ſtark, wie die Altvorderen ſelber; dann
war er hinaufgeſtiegen auf den Gipfel der Ebenalp und
hatte ſich ins duftende Gras geworfen und ſchaute be—
haglich in die Himmelsbläue, von wohligem Hauch der
Geſundheit erquickt. Um ihn weideten Benedictas Zie⸗
gen; ſchier war's zu hören, wie das Alpengras zwiſchen
den Zähnen der Kauenden ſich bog und zerbrach. Un—
ſtetes Gewölk zog an den Bergwänden herum, — auf
weißer Kalkſteinplatte, dem Säntis zugewendet, ſaß Be⸗
nedicta; ſie blies auf der Schwegelpfeife. Einfach, me—
lodiſch wie ein Klang aus ferner Fugendzeit tönte die
Weiſe, mit zwei hölzernen Milchlöffeln in der Linken
ſchlug ſie den Takt dazu. Sie war Meiſterin in dieſer
Kunſt, und ihr Vater pflegte oftmals mit Bedauern zu
ſagen: „Es iſt ſchade, ſie verdiente Benedietus zu heißen,
ſie hätt' wahrlich einen tollen Handbuben gegeben.“
Wenn die Tonweiſe rhythmiſch zu Ende ging, tat ſie
einen ſcharfen Fodelruf zur benachbarten Alp, dann
ſchallte von dort ſanftkräftiges Blaſen des Alphorns
herüber, ihr Liebſter, der Senn auf der Klus, ſtand un—
ter dem zwergigen Fichtenbaum und blies den. Kuhrei⸗
gen?s — jenen ſeltſamen Naturlaut, der, keiner Melodei
vergleichbar, erſt dumpfes Geräuſch ſcheint, als ſäße eine
Hummel oder ein Käfer im Horn eingeſperrt und ſuche
ſummend den Ausweg, der aber mählich und mählich
das große Lied von Sehnſucht, Liebe und Heimweh in
alle Gänge des Menſchenherzens hinein drommetet, daß
es aufjubelt oder zerbricht.
„Ich glaube, Euch iſt wieder ganz wohl, Bergbruder“,
rief Benedicta zu Ekkehard herauf, „daß Ihr Euch ſo ver⸗
gnügt auf den Rücken ſtrecket. Gefällt's Euch?“
„Ja“, ſprach Ekkehard, „pfeif' weiter.“
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