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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0403
402 Eltkehard.

ſtalt jener zwei verkörpert, und aus dem Schutt vergan—⸗
gener Zeit tauchte auf, was der ſinnige Konrad von Alzey
ihm dereinſt von Walthari und Hiltgunde erzählt, mit
Sang und Klang zog der Geiſt der Dichtung bei ihm ein,
er ſprang auf und tat einen Satz in die Luft, daß der 5⁵
Säntis ſeine Freude an ihm haben mochte: „Im Bild der
Dichtung ſoll das arme Herz ſich deſſen freuen, was ihm
das Leben nimmer bieten kann, an Reckenkampf und
Minnelohn, — ich will das Lied vom Walthari von Aqui-
tanien ſingen!“ rief er der ſcheidenden Sonne zu, und es 10
war ihm, als ſtünde drüben in der Gemſenlucke zwiſchen
Sigelsalp und Maarwies glanzumwallt der Freund ſeiner
Jugend, der Meiſter Konrad, und winke ihm mild lächelnd
herüber und ſpreche: „Tu's!“
Und Ekkehard ging fröhlich ans Werk. „Was bei uns 15
geſchieht, muß recht geſchehen oder gar nicht, ſonſt lachen
uns die Berge aus“ — ſo hatte der Senn eines Tages zu
ihm geſprochen, und er hatte beifällig dazu genickt. Der
Handbub ward ins Tal geſchickt, Eier und Honig zu holen,
da bat ihn Ekkehard für einen Tag bei ſeinem Meiſter frei 2
und gab ihm einen Brief nach Sankt Gallen an ſeinen
Neffen. Er ſchrieb ihn in damals üblicher dort wohlbekann-
ter Stabrunenſchriftss, damit ihn kein Unberufener leſe.
Darin aber ſtand:
„Dem Kloſterſchüler Burkard Heil und Segen. 25⁵
„Der du ein Augenzeuge von deines Oheims Leid ge⸗
weſen, wiſſe zu ſchweigen. Und wo er weilet, frage nicht
— Gottes Hand reicht weit. Du haſt im Procopius?“ ge⸗
leſen vom Vandalenkönig Gelimer; da er im numidiſchen
Gebirg' eingeſchloſſen ſaß und ſein Elend groß war, heiſchte 3z
er von den Belagerern eine Harfe, ſeinen Schmerz zu
verſingen. Gedenke dabei deines Ohms und wolle dem
Überbringer eine eurer kleinen Harfen mitgeben und et-
liche Bogen reinen Pergamentes ſamt Farbe und Rohr-
feder, denn mein Herz iſt wohlgemutet zu ſingen in der 35
Einſamkeit. Verbrenne das Blatt. Die Gnade Gottes
ſei mit dir! Leb' wohl!“
„Mußt ſchlau und fürſichtig ſein, als wenn du eines


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