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23. Auf der Ebenalß. 407
Liebſte haben dürfet, habt Ihr Euch die Harfe eingetan
und ſprechet zu der, was Euch das Herz ſchwellt. Aber
umſonſt ſollt Ihr kein Spielmann geworden ſein.“
Sie pfiff durch die Finger und tat einen ſchönen Lock⸗
5 ruf zu der niedern Hütte auf der Klus hinüber, da kam
ihr Liebſter, der Senn, das Alphorn umgehangen, ein
friſches junges Blut, im rechten Ohr trug er den ſchweren
ſilbernen Ring, des Sennen Ehrenzeichen, die Schlange,
die an ſilbernem Kettlein den ſchwanken Milchlöffel hält,
10 und um die Lenden glänzte der breite Gürtel, drauf in
getriebenem Metall ein kuhähnlich Ungetüm zu ſchauen
war?ꝰ; ſcheu neugierig ſtund er vor Ekkehard, aber Bene⸗
dicta ſprach: „Jetzt ſpielet uns einen Tanz auf, Berg-⸗
bruder; wir haben uns ſchon lang' geärgert, daß wir's
15 nicht ſelber können, aber wenn er das Alphorn bläſt, kann
er mich nicht zugleich faſſen und luſtig umſchwingen, und
wenn ich die Schwegelpfeife tönen laſſe, hab' ich auch
keinen Arm frei.“
Und Ekkehard erquickte ſich an der geſunden Fröhlich—
ꝛ20 keit der Kinder vom Berg und griff wacker in die Saiten,
und ſie tanzten im weichen Gras der Matten, bis der
Mond in gelber Schöne ſich über die Maarwieſe hob, den
grüßten ſie mit Fauchzen und Zauren?“ und tanzten
weiter in vergnüglichem Wechſelgeſang:
2585 „Und das Eis kam gewachſen
Bis zur Alpe daher,
Wie ſchad' um das Mägdlein,
Wenn's eingefroren wär'!“
ſummte Benedictas Tänzer in den leichthinſchwebenden
30 Reigen;
„Und der Föhn hat geblaſen,
Kein Hüttlein mehr ſteht —
Wie ſchad' um den Buben,
Wenn's auch ihn hätt' verweht!“
35 ſang ſie antwortend in gleicher Tonart. Und wie ſie müde
vor dem angehenden Dichter ausruhten, ſprach Benedicta:
„Ihr ſollt auch Euern Lohn überkommen, herzlieber Har⸗
feniſte. Es geht ein alt Gerede auf unſern Bergen, daß
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