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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0421
420 Ekkehard.

Da hub ſie an: „O Fluch dem Gaſtmahl und dreimal Fluch
Dem Wein, der meine Hunnen ſo ſchwer darnieder ſchlug! 200
Was ich den König warnte, liegt offen itzt zutag',
Von unſres Reiches Stützen die ſtolzeſte Säule brach!“

Der alte König Etzel, von böſem Zorn entbrannt,
Zerriß den Purpurmantel und warf ihn an die Wand,
Und wie der Staub vom Sturme gewirbelt wird zuhauf, 205
So wirbelte ihm im Herzen ein Schwarm von Sorgen
G ſich auf.
Kein Wörtlein konnt er ſprechen, zu mächtig war ſein
Grimm,
Und Speiſe und Getränk ſtund unberührt vor ihm.
Die Nacht kam angeflogen, noch fand er keine Ruh',
Er lag auf ſeinem Pfühle und ſchloß kein Auge zu, 300
Er warf ſich bald zur Rechten, bald zu der Linken nieder,
Als hätt' ein Pfeil durchſchoſſen die ſtolzen Heldenglieder,
Dann ſaß er wieder aufrecht, der grambetörte Greis,
Dann ſprang er aus dem Lager, er lief herum im Kreis.
So ward dem Hunnenkönig der ſüße Schlaf verleidet, z05
Derweil das Flüchtlingspaar ſchweigſam dem Land ent-
reitet.
Doch wie am andern Morgen aufſtieg der lichte Tag,
Hieß er der Hunnen älteſte zuſammenkommen und ſprach:
„Wer mir in Banden brächte, Walthari, den ſchlauen
Fuchs,
Als wie vom Wald der JFäͤger den hinterliſtigen Luchs, 310
Dem ſchüfe ich zur Stunde ein golddurchwirkt Gewand
Und wollt mit Gold ihn decken von Haupt zu Fuß ſo ſehr,
Daß ihm von Goldeshaufen der Weg geſperret wär'.“
Doch in den weiten Landen fand ſich kein einz'ger Grafe,
Kein Heerfürſt oder Ritter, kein Knappe oder Sklave, 315
Der ſich vermaß, Walthari verfolgend nachzugehn
Und mit des Schwertes Schneide dem Zürnenden zu ſtehn.
Und was der König flehte, geſprochen war's in Wind,
Die hohen Goldeshaufen — ſie blieben unverdient.

Walthari ritt bei Nachtzeit weiter und weiter in Haſt, 220
Des Tags in dichtem Walde und Buſchwerk hielt er Raſt,


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