Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0422
24. Das Waltharilied. 421

Nah flogen ihm die Vögel, lieblich klang ſein Gelock,
Er fing ſie mit Leimruten und mit geſpaltnem Stock,
Und wo in krummem Laufe ein Strom vorüberfloß,
325 Eintaucht' er ſeine Angel und reiche Beute genoß.
So kürzten ſich die Tage mit Fiſchfang und Gejaid,
Das ſchafft dem Hunger Stillung, dem Herzen Nüchternheit,
Und auf der ganzen Fahrt hat nimmermehr begehrt
Die Jungfrau zu umarmen der Recke ehrenwert.

z3650 Schon vierzig Male war der Sonne Lauf vollendet,
Seit daß er ſonder Abſchied von Etzel ſich gewendet,
Da glänzt aus lichtem Waldſaum im Abenddämmerſchein
Ein Fluß zu ihm herüber — das war der Vater Rhein,
Das war der Rhein, und jenſeits am fernen Ufer ſtand
355 Die Königsburg von Worms, Hauptſtadt in Frankenland.
Ein Schiffer kam gerudert auf breitgebautem Kahn,
Die letztgefangnen Fiſche bot ihm Walthari an,
Da fuhr ihn jener über, er war zufrieden der Gabe,
Und weiter flüchtend ſpornt Walthari das Roß zum Trabe.

340 Der Fährmann andern Tages nach Worms gegangen
war,
Des Königs Leib- und Mundkoch bracht' er die Fiſche dar,
Der würzt' und ſalzte ſie und ſetzte ſie als Mahl
Dem König Gunther vor; erſtaunt ſprach der im Saal:
„Seit daß ich herrſche in Franken, nie ſah ich einen Fiſch
345 Von ſolcherlei Geſtalt und Schmack auf meinem Tiſch,
Der muß aus fremden Landen zu uns gekommen ſein.
Sag' an, mein Koch, geſchwinde, wer brachte den herein?“

Da wies der Koch den Fergen, der König rief ihn her,
Genau verkündet' der dem Fragenden die Mär:
350 „Ich ſaß am Rheinesſtrande noch geſtern abend ſpat,
Da kam ein fremder Mann geritten den Uferpfad,
Als käm' er juſt vom Kriege, ſo ſchaut' er trutzig wild,
Er ſtarrte ganz in Erze und führte Speer und Schild.
Schwer mocht' die Wucht der Rüſtung auf ſeinen Schul⸗-
tern laſten,
355 Doch ritt er ſcharfen Schrittes und mochte nimmer raſten.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0422