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426 Ekkehard. .
Drob zog in Hagens Herzen ein bitter Zürnen ein:
„Wohlan“, ſprach er, „ſno mögt Ihr des Kampfes denn
Euch freu'n.
Dort ſteht vor Euren Augen, des Euch geluſtet, der Mann,
Ich will des Ausgangs harren und keine Beute ha'n.“
Sprach's und zum nahen Hügel lenkt er ſein Roß in Ruh',
Sprang ab und ſah gelaſſen, im Graſe ſitzend, zu.
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Der König Gunther winkte den Camelo nun her:
„Zeuch aus und künde jenem: den ganzen Schatz ich gehr',
Und ſo er noch ſich weigert, ſo biſt du Manns genug,
Daß du ihn kampflich angehſt und niederwirfſt mit Fug.“ 405
Von Metz, der Biſchofſtadt, Herr Camelo zog ab,
Fahl nickt’' vom blauen Helme ſein gelber Buſch herab.
Von fern ſchon rief er laut: „Heda! mein Freund — her⸗
aus!
Dem Frankenkönig liefre den ganzen Goldſchatz aus!“
Walthari hört's und ſchwieg. Da ritt er näher bei: 500
„Den ganzen Goldſchatz liefre!“ ſo rief er ihm aufs neu'.
Dem riß jetzt die Geduld: „Laß ab dein Schrei'n und
Johlen,
Hab' ich dem König Gunther den Schatz etwann geſtohlen,
Hat er ein Darlehn mir geliehn habgier'gen Sinns, L
Daß er mir jetzo heiſchet ſo ſchnöden Wucherzins? 505
Hab' ich das Land geſchädigt und Häuſer weggebrannt,
Daß Ihr mir Buße fordert mit übermüt'ger Hand?
Das muß ein ſchäbig Volk ſein, das mir den Durchgang
neidet
Und keinen fremden Mann auf ſeinem Boden leidet.
Ich will ums Wegrecht markten: Zweihundert Spangen
wohlan 510
Biet' ich jetzt deinem König. Vernimm's und zeig's ihm
an!“
„Du ſollt noch mehr uns bieten!“ rief Camelo in Wut,
„Des Redens bin ich ſatt. Itzt gilt's dein Gut und Blut.“
Er deckte ſeinen Arm mit dem dreifältigen Schild
Und raffte ſeinen Speer und ſchüttelte ihn wild 515
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