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428 Ekkehard.
Der Hieb ſaß auf dem Helme, das dröhnte und das klang,
Und Feuerfunken ſprühten den dunkeln Wald entlang.
Jetzt fuhr ihm wie ein Blitz Waltharis Speer in Hals
Und hob ihn aus dem Sattel, da fiel er dumpfen Falls.
Nichts half ihm mehr die Bitte, ſein Haupt hieb jener ab, 5560
So ſank bei ſeinem Ohme der Neffe früh ins Grab.
„Vorwärts!“ rief König Gunther, „und laßt ihm keinen
Frieden,
Bis daß wir Schatz und Leben geraubt dem Kampfes—
müden.“
Da kam als dritter Kämpe Werinhard gezogen,
Des Speerwurfs ein Verächter trug er nur Pfeil und
Bogen. 555
Er richtet' auf Walthari von ferne manch Geſchoß,
Gedeckt vom rieſigen Schilde gab der ſich nirgends bloß.
Und eh' der Schütz ihm beikam, war ſchon ſein Köcher
leer,
Des zürnend ſtürmt er jetzo mit blankem Schwert einher:
„,Und ſind dir meine Pfeile zu luftig und zu leicht, S⁵.
Paß auf, ob nicht mein Hieb dir vollgewichtig deucht!“
„Schon lange wart' ich, daß dem Kampf ſein Recht
geſchehe“,
Walthari rief's entgegen — und ſchleudert aus der Nähe
Den Speer. Der traf das Roß. Hufſchlagend bäumt
ſich's auf,
Warf in den Staub den Reiter und ſtürzte oben drauf. 565
Dem Fallenden entriß der Held ſein Schwert in Haſt,
Löſt ihm den Helm — am blonden Gelock er ſtark ihn faßt':
„Zu ſpät kommt itzt dein Fammern, den Bitten bin ich
taub!“
Und abgeſchlagnen Hauptes lag Werinhard im Staub.
Drei Leichen lagen ſchon. Des Streitens noch nicht
müd, 570
Entſandt' als vierten Kämpen Gunther den Ekkefrid.
Der hatt' im Sachſenlande den Herzog einſt erſchlagen
Und der Verbannung Leid am Frankenhof getragen.
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