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430 Ekkehard.
Dort ſtehen die Genoſſen. Du friſteſt nicht dein Leben,
Und wollt'ſt du auch als Vogel befiedert uns umſchweben.“
Furchtlos ſprach da Walthari: „Den Schild, den laſſ⸗
ich nicht!
Dem bin ich als ein Schuldner zu großem! Dank verpflicht't.
Der ſchirmte mich vorm Feinde gar oft in heißen Tagen,
Die Wunden, die mir galten, ließ er ſich willig ſchlagen;
Du ſollt noch heut erkennen, wie nützlich dieſer mir,
So ich den Schild nicht hätte, ich ſtünde nimmer hier.“
Drauf Hadwart: „Unfreiwillig ſollt du ihn balde miſſen
Und Roß und Gold und Jungfrau in unſern Handen
wiſſen.
Noch einmal rat' ich dir: leg' ab, leg' ab die Laſt,
Die du ſo weiten Weges bis heut getragen haſt.“
Sprachs und vom Leder zog er. Das war ein Fechten
ſchwer,
Er kämpfte mit dem Schwerte, Walthari mit dem Speer,
Im Waſichenwalde nimmer ſolche Blitze ſprühten,
Staunend ſahn die Franken auf den Nimmermüden.
Das hat von Helm und Schilden geklungen und gegellt,
Wie wenn mit ſcharfem Beile ein Mann die Eiche fällt.
Aufſprang der Wormſer Kämpe und ſchwang des Schwer⸗
tes Schneide,
Auf daß mit einem Hieb der Zweikampf ſich entſcheide.
Walthari fing den Streich und zwang ihm aus der Fauſt
Die Klinge, daß ſie weit ſeitab ins Buſchwerk ſauſt.
Dahin floh Hadawart. Doch Alphers Sohn, der ſchnelle,
Ihm nach: „Wo fleuchſt du hin? da, nimm den Schild,
Geſelle!“
Sprach's und mit beiden Händen hob er den Speer und
ſtach,
Da ging der Kampf zu Ende. Der ſank mit dumpfem
Krach,
Ihm ſetzte auf den Nacken den Fuß Walthari und dann
Spießt' an den Boden er zuſamt dem Schilde den Mann.
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