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24. Das Waltharilied. 431

Als ſechſter in den Kampf ging jetzo Patafrid,
e635 Des Hagen Schweſterſohn. Wie den ſein Oheim ſieht,
Gedachte er mit Bitten zu wenden ihm den Sinn:
„Schau, wie der Tod dich anlacht! laß ab, wo eilſt du hin?
Laß ab, laß ab, o Neffe, dich täuſcht dein Jugendmut,
Zu zwingen den Walthari, braucht's andere Kraft und
Glut.

640 Des Zuſpruchs ungerührt, der Füngling ging von hinnen,
Sein einzig Trachten war, ſich Ehre zu gewinnen.
Bekümmert ſaß drum Hagen und ſeufzte tief und grollte:
„O nimmerſatte Habgier, o ſchnöder Durſt nach Golde,
O ſchlänge doch die Hölle das güldne Erz in Rachen,
645 Und gäb' es ſtatt den Menſchen zur Hut den alten Drachen!
Niemand hat mehr genug. Sie ſchaffen und ſie ſcharren
Sich täglich mehr zuſammen und ſind doch arme Narren!
Wie reiteſt in den Tod auch du mein Neffe ſo blind,
Was ſoll ich deiner Mutter für Kunde bringen vom Kind?
656o Und was dem jungen Weibe, das traurig deiner harrt,
Dem noch zu ſchwachem Troſte der erſte Sproß nicht
ward?“

Sprach's, und die Träne rollt' ihm langſam in Schoß
hinab:
„Fahr' wohl auf lange!“ ſeufzt' er, „fahr' wohl, du ſchöner
Knab'!
Aus weiter Fern' Walthari des Freundes Klage vernahm,
655 Gerührt ſprach er zum Kämpen, der itzt geſtürmet kam:
„Steh' ab, mein tapfrer Junge, ich mag dir's redlich raten,
Aufſpare deine Kraft zu anderweiten Taten,
Schau' auf! hier liegt erſchlagen manch ein gewalt'ger
Held
Ich müßte Leides tragen, wenn du dich beigeſellt.“

660 „Was kümmert dich mein Sterben?“ rief jener, „ſteh'
und ficht!
Zum Streit bin ich gekommen, zu loſem Schwatzen nicht.“
Und mit dem Worte flog auch die knorrige Lanze einher,
Zur Seite ſchlug Walthari ſie mit dem eignen Speer;


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