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43²2 Eklehard.
Von Wurfs Gewalt getragen und von des Windes Kraft
Flog bis zur Felſenhöhle zu Hiltgunds Füßen der Schaft. sss
Aufſchrie vor Furcht die Fungfrau; dann aus der Fel⸗—
ſenſpalte
Lugt' ſie fürſichtig, ob Walthari ſich noch halte.
Noch einmal warnte dieſer den ungeſtümen Mann,
Doch er, bedachtlos wütend, ſtürmt' mit dem Schwerte an.
Da ſchirmte ſich Walthari und ſchwieg, doch mocht ſein
L Schweigen 670
Dem Zähneknirſchen des gehetzten Keulers gleichen.
Zu mächtigem Schwertſtreich holte Patavrid itzt aus,
Da duckte ſich Walthari ins Knie und bog ihm aus,
Daß ihn des leeren Streiches Wucht zu Boden riß.
Auf ſprang der Held mit Macht. Da war der Sieg gewiß. sꝛ5
Zwar wollt' zu neuem Fechten auch Patavrid ſich heben,
Umſonſt. In Bauch getroffen ließ er das ſüße Leben,
Die Seele flog von dannen, es ward ſein junger Leib
Dem wilden Waldgetiere ein Fraß und Zeitvertreib.
Des Toten Fall zu rächen kam Gerwig itzt geſprengt, 6so
Er ſprengte über die Leichen, die dort den Steg geengt!
Derweil des Toten Haupt vom Rumpf Walthari fällt,
Warf er die doppelſchneidige Streitaxt nach dem Held,
— Die war in jenen Zeiten der Franken liebſt Ge—
waffen. —
Schnell hob den Schild Walthari, ſich Deckung zu ver—
ſchaffen, ess
Rückſpringend nach der Lanze, an ſich die teure riß er,
Die blutige Schwertesklinge ins grüne Riedgras ſtieß er
Und ſtellte ſich dem Angriff. Da fiel kein unnütz Wort,
So grimmig nach dem Kampfe lechzten die beiden dort.
Der focht den Freund zu rächen, der ſchirmte Leib und
Leben, 690
VBiel ſchwere Hiebe wurden gehauen und rückgegeben.
Waltharis Speer war länger, doch tummelte ſein Pferd
Der Franke rings im Kreis, daß jener müde werd'.
Zuletzt erſah Walthari, daß er den Schild ihm hob,
Durch Gerwigs Weichen itzt das grimme Eiſen ſchnob. c5
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