http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0441
440 Ekkehard.
Und ritt des Weges weiter als wie ein fremder Mann.
Do ſchrie ihn ſchon von ferne der König Gunther an:
„Jetzt iſt dein Unterſchlupf benommen, grimmer Held,
Aus dem du zähneweiſend als wie ein Hund gebellt.
Heraus ins offne Feld, dein warten neue Streiche,
Noch ſteht zu proben, ob das End' dem Anfang gleiche.
Du weiſeſt ja Ergebung und Flucht ſo ſchnöd zurück,
Laß ſehn, ob du auch heute um Lohn gedungen das Glück!“
Verächtlich tät Walthari kein Wort dawider ſagen,
Als wär' er taub geworden. Er wandte ſich an Hagen:
„O Hagen, alter Freund, ſag' an, was iſt geſchehn,
Daß alſo umgewandelt ich dich muß wiederſehn?
Der tränend einſt beim Abſchied in meinen Armen lag,
Verrennt gewaffnet mir den Weg an dieſem Tag?
Fürwahr ich dachte einſt, käm' heimwärts ich gegangen,
Du würdeſt grüßend mich mit offnem Arm umfangen,
Und gaſtlich mich bewirten und pflegen mich in Freuden
Und reich beſchenkt den Freund ins Heimatland geleiten.
Ich zog auf fremden Wegen. Oft wollt' das Herz mir
. ſchlagen:
O wär' ich bei den Franken, dort lebt mein Freund, der
Hagen!
Gedenkſt du nimmermehr der alten Knabenſpiele,
Wo wir einmütig einſt geſtrebt nach gleichem Ziele?
Nicht mehr der Freundſchaft? O, wenn ich dein Antlitz ſah,
So deuchten mir die Eltern, die teure Heimat nah.
Ich wahrte dir die Treue am Hof und vor dem Feind,
Laß ab drum von dem Frevel und ſei mein alter Freund!
Des werd' ich hoch dich preiſen, und biſt du mir zu Willen,
Werd' ich mit rotem Golde den hohlen Schild dir füllen.“
Mit finſterm Blick und zürnend ſah ihn Hagen an:
„Erſt übeſt du Gewalt und ſchwatzeſt liſtig dann;
Die Treu' haſt du gebrochen. Du wußteſt mich zugegen,
War dir an meinen Freunden, am Neffen nichts gelegen?
Nicht magſt du dich entſchuld'gen, wenn ich auch ferne
ſtand,
An Waffen und Geſtalt war ich dir gut bekannt.
93⁵
94⁵
9⁵⁰
9⁵5
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0441