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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0442
24. Das Walthäkilied. 441

Und doch hat mir dein Schwert den zarten Sproß gemäht,
Denteuren blonden Jungen. Dawar die Freundſchaft wett.
Drum heiſch' ich itzt von dir nicht Gold, nicht Bruderbund,
965 Von deiner Hand verlang' ich den toten Neffen zur
Stund'!“

Von Roſſes Rücken ſchwang ſich Hagen nun zur Erde,
Da ließen auch Walthari und König Gunther die Pferde.
Zum Fußkampf ſtanden ſie, zwei wider einen Mann.
Die zweite Frühſtund' war's, da hub das Streiten an.
970 Erſt brach den Frieden Hagen und warf mit Macht den
Speer,
Der flog in hohem Bogen mit Ziſch und Zaſch daher.

Walthari mochte nicht ausbeugen, doch er hielt
In ſchräger Richtung ihm entgegen ſeinen Schild;
Rückprallte das Geſchoß, als wie von Marmelſtein,
975 Und wühlte bis an den Nagel ſich in den nahen Rain.

Dann warf auch König Gunther den ſchweren Eſchen—

aft,
Er warf ihn kecken Mutes, doch nur mit ſchwacher Kraft,
Den Schildrand traf er nur, und konnt' ihn nicht zerreißen,
Walthari ſchüttelte, da fiel das matte Eiſen.
980 Das war ein ſchlimmes Zeichen. Itzt griffen ſie zum
Schwerte,
Doch grimmen Blicks Walthari ſich mit der Lanze wehrte.
Die Klingen waren kurz, ſie reichten nicht an ihn,
Da fuhr ein ſchlimmer Plan dem König durch den Sinn.
Sein abgeſchoßner Speer lag vor Waltharis Füßen,
985 Den hätt' er heimlich gern zu ſich zurückgeriſſen —
Er winkte mit dem Aug', daß Hagen vorwärts dringe,
Und ſtieß zurück zur Scheide die goldgeſchmückte Klinge,
Da ward die Rechte frei zum Diebsgriff — und den Schaft
Hielt er ſchon feſtgepackt — und hätt' ihn auch errafft.
ooο Doch auf den Hagen ſtürmte Walthari plötzlich her
Und trat mit ſtarkem Fuß auf den gegriffnen Speer.

Der Überraſchung ward der König ſehr erſchrocken,
Die Kniee wankten ihm, ſein Atem wollte ſtocken,


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