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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0443
442 Eitehard.

Schon war der Tod ihm nah. Doch ſprang in ſchnellem
Lauf
Ihm ſchirmend Hagen bei. Da ſtund er zitternd auf,
Es ward der bittre Kampf itzt ungeſäumt erneut,
Feſt ſtand Walthari noch, doch ungleich war der Streit —
Er ſtand: ſo ſteht der Bär, gejagt von wilder Hatze,
Unwillig vor der Meute und droht mit ſcharfer Tatze,
Und duckt das Haupt und knurrt. Weh dem, der an ihn
ſchwirrt:
Er preßt ihn und umarmt ihn, bis er ſich nimmer rührt,
Scheu flieht der Rüden Schar mit heulendem Gebelle. —
So flutete die Schlacht ſchon auf der höchſten Welle,
Dreifache Not des Todes auf jeder Stirne ſtand:
Die Wut, die Laſt des Kampfes und glüher Sonnenbrand.

Gepreßten Herzens ſchaute bereits Walthari um,
Ob ſich kein Ausweg öffne. Zu Hagen rief er drum:
„O Hagdorn, grün im Laub, du magſt ſo gern mich
ſtechen
Und mir die Heldenkraft mit ſchlauen Sprüngen brechen,
So ſchwerer Mühe ſatt, will ich mit dir itzt ringen —
Und biſt du rieſenſtark, ich will dich näher bringen!“
Er ſprach's und hochaufſpringend warf er die Lanze keck,
Sie traf und riß ein Stück ihm von der Rüſtung weg
Und ſtreifte ſeine Haut, doch nur ein wenig, an,
Dieweil gar ſtarken Panzer ſich Hagen umgetan.
Walthari aber riß das Schwert aus ſeiner Scheide
Und ſtürmt' auf Gunther ein und ſchlug den Schild bei—
ſeite —
So wunderſam gewalt'gen Schwertſchlag tat er behende,
Daß er ihm Bein und Schenkel ganz von der Hüfte
trennte.

Halbtot auf ſeinem Schilde lag König Gunther da,
Selbſt Hagen wurde-blaß, wie ſolchen Schlag er ſah.
Hoch ſchwang Walthari itzt die blutgefleckte Klinge,
Auf daß der wunde König den Todesſtreich empfinge,
Doch Hagen warf dem Hieb das eigne Haupt entgegen,
Da ſprühte von dem Helm hoch auf ein Funkenregen;

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