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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0445
444 Ekkehard.

Walthari drauf befahl: „Fetzt miſch' uns einen Wein,
Wir haben ihn verdienet, er ſoll uns heilſam ſein.
Es ſei der erſte Trunk dem Hagen zugebracht,
Der war dem König treu und tapfer in der Schlacht.
Dann reich' ihn mir, der ich das Schwerſte hab' erlitten,
Zuletzt mag Gunther trinken, der läſſig nur geſtritten.“
Die Jungfrau folgt dem Winke, und bracht's dem Hagen
dar,
Da ſprach der Held, wie ſehr er von Durſt geqult auch
war:
„Walthari, deinem Herrn, ſei erſt der Trunk gereicht,
Braver als ich und alle hat der ſich heut erzeigt!“
Zwar müd, doch friſchen Geiſts ſaß itzt beim Wein geeint
Hagen, der Dornige, mit ſeinem alten Freund.
Nach Lärm und Kampfgetös, Schildklang und ſchweren
Hieben
Zum Becher dort die zwei viel Scherz und Kurzweil trieben.

„SZukünftig“, ſprach der Franke, „magſt du den Hirſch
erjagen,
O Freund! und von dem Fell den Lederhandſchuh tragen,
Und ſo du dir mit Wolle ausſtopfeſt deine Rechte,
So meint noch mancher Mann, die Hand ſei eine echte.
O weh, auch mußt fortan du allem Brauch entgegen
Um deine rechte Hüfte das breite Schlachtſchwert legen,
Und will Hiltgunde einſt dir in die Arme ſinken,
So mußt du ſie verkehrt umarmen mit der Linken,
Und alles, was du tuſt, muß ſchief und linkiſch ſein ...“
Walthari ihm erwidert: „O Einaug', halte ein!
Noch werd' ich manchen Hirſch als Linker niederſtrecken,
Doch dir wird nimmermehr des Ebers Braͤten ſchmecken.
Schon ſeh' ich queren Auges dich mit den Dienern ſchelten
Und tapfrer Helden Gruß mit ſcheelem Blick entgelten.
Doch alter Treu' gedenkend ſchöpf' ich dir guten Rat:
Biſt du der Heimat erſt und deinem Herd genaht,
Dann laß von Mehl und Milch den Kindleinbrei dir kochen,
Der ſchmeckt zahnloſem Mann und ſtärkt ihm ſeine Kno—
chen.“

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