Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0447
446 Ettehard.

ſchlagender Haß, das waren Ekkehards Bauſteine; aber
darum iſt ſein Werk auch geſund und gewaltig worden und
ſteht am Eingang der altdeutſchen Dichtung, groß und
ehrenfeſt, wie einer jener erzgewappneten Rieſen, die die
bildende Kunſt ſpäterer Zeiten als Torhüter vor der Pa—
läſte Eingang zu ſtellen pflegt.
Und wen die Herbigkeit alter, oft ſchier heidniſcher
Anſchauung unlieblich anmuten möchte, gleich einem
rauhen Luftzug an den Dünen des Meers, draus der frack-
umhüllte Menſch Erkältung ſchöpft und ein Hüſtlein, der
möge bedenken, daß einer das Lied ſang, der ſelber in der
Hunnenſchlacht gefochten, und daß er's ſang, die Locken
umſauſt vom Winde, der über die Schneefelder des Sän—
tis geſtrichen, viel hundert Klafter über den Niederungen
des Tales, die Wolfshaut zum Mantel, den Felsblock der
Höhle zum Schreibtiſch, die Bärin zum Zuhörer.
Es iſt ſchade, daß die neckenden Geiſter und Kobolde
ſchon lange ihr frohſames Handwerk eingeſtellt haben, ſonſt
möcht' es manch einem Schreibersmann unſerer Tage
nicht ungedeihlich ſein, wenn ihn plötzlich unſichtbare
Hände vom Mahagonitiſch. hinwegtrügen auf die grünen
Matten der Ebenalp; — dort droben, wo der alte Mann
in ſeiner Berggewaltigkeit dem Poeten ins Konzept
ſchaut, wo die Abgründe gähnen, der Donner zwölffältig

durch die Schluchten rollt und der Lämmergeier in einſam

ſtolzem Kreiſen dem Regenbogen zufliegt, dort muß einer
etwas Großes, Kerniges, Bärenmäßiges ſingen oder reuig
in die Kniee ſinken wie der verlorene Sohn und vor der
gewaltigen Natur bekennen, daß er geſündigt. — —
Unſere Erzählung neigt ſich zum Ende.
Es wär' ihr vielleicht ein Gefallen geſchehen, wenn
Ekkehard jetzt nach Vollendung ſeines Sanges eines ſänft-
lichen Todes verblichen wäre: das hätte einen gar rühren-
den Schluß gegeben, wie er oben vor ſeiner Höhle ge⸗
ſeſſen, den Blick nach dem Bodenſee, die Harfe an den
Fels gelehnt, die Pergamentrolle in der Rechten, und das
Herz wär' ihm gebrochen, und es hätt' ſich ein ſchön Gleich—
nis daran geknüpft, wie der Sänger vom Lodern des

15⁵

20⁰

25⁵

35⁵


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0447