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450 Ekkehard.
einen guten Geſellen gehabt, einen beſſern findet man in
keines Herren Land, der hieß Konrad; und mit Frauen—
lieb' und Weltruhm iſt's nichts, aber der alten Freund-
ſchaft bleib' ich zu Dank verpflicht't bis in den Tod, Ihr
ſollt mit mir ſein Wohl trinken, das iſt einer, der würde 5
dem Säntis Freud' machen, wenn er hier wäre!“ Und
der Senn hatte die Schale geleert und geſagt: „Berg—
bruder, ich glaub's Euch. Er ſoll leben!“
Darum erklang dem Mann in Paſſau ſein Ohr; er
aber wußte nicht warum. Und ſein Ohr klang noch, da 10
kam der Biſchof Pilgerim einhergewandelt, und hinter
ihm brachte der Stallmeiſter ein weiß Rößlein, das war
altersſchwach und ſchäbig, und wenn man ihm näher ins
Geſicht ſchaute, war's auch am linken Aug' blind, und der
Biſchof nickte mit ſeiner ſpitzen Inful und ſprach gnädig- 15
lich: „Neiſter Konrad, was Ihr meinen Neffen zuliebe
geſchrieben, ſollt Ihr nicht umſonſt geſchrieben haben, mein
erprobtes Streitroß ſei Euer!“
Da zuckte der Meiſter Konrad wehmütig lachelnd die
feinen Lippen und dachte: „Es geſchieht mir ſchon recht, 25
warum bin ich ein Dichter worden!“ laut aber ſprach er:
„Gott lohn's Euch, Herr Biſchof, Ihr werdet mir wohl ein
paar Tage Urlaub ſchenken zum Ausruhen von der Arbeit.“
Und er ſtreichelte das alte weiße Rößlein und ſchwang
ſich darauf, ohne eine Antwort abzuwarten, und ſaß ſtolz 25
und anmutsvoll im Sattel und brachte ſein demütig Tier
noch zu einem leidlichen Trab und ritt von dannen.
„Ich will meinen beſten Stoßfalken gegen ein Paar
Turteltauben verloren geben“, ſprach der ältere der Kna⸗
ben, „wenn er nicht wiederum nach Bechelaren reitet zur 30
Markgrafsburg. Er hat immer geſagt: ‚So gut ich meinen
gnädigen Herrn, den Biſchof, ins Lied hereinſetze, kann
ich auch der Frau Markgräfin Gotelinde und ihrer ſchönen
Tochter drin ein Denkmal aufrichten, die danken mir's
doch am feinſten“ 35
Derweil war der Meiſter Konrad ſchon dem Core der
Biſchofspfalz entritten; er ſchaute ſehnſüchtig donauab⸗
wärts und hub an mit heller Stimme zu ſingen:
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