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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0484
Anmerkungen des Agers. 483

1*ÿ S. Hermann des Lahmen von Reichenau Chronit ad. ann.
888 bei Pertz, Mon. V, 109.
151 vel, ut perturbatores reipublicae dignum est pati,.
usque ad cinerem concremati et in omnem ventum dispersi cum

5 nominibus vel potius ignominia et memoria sua condemnentur

10

15⁵

in secula! Erchanberti breviarium ad ann. 880 bei Pertz, Mon.
II, 330.
152 Die Geſtalt des Alten in der Heidenhöhle möchte hiſtoriſch
etwas anzuzweifeln ſein. Alle Merkmale deuten auf Karl den
Dicken, aber der war eigentlich längſt geſtorben, bevor die erſte
Stunde des zehnten Fahrhunderts ſchlug. Indes, was die Ge—
ſchichte trennt, fügt die Sage wieder zuſammen, und wie ſie einſt
dem oſtgotiſchen Dietrich von Bern im Nibelungenlied eine Stel-
lung verſchaffte, auf die er ſeinen hiſtoriſchen Präzedentien nach
gar keine nachzuweiſenden Anſprüche hat, ſo gefällt es ihr, den
letzten Träger des karolingiſchen Weltreichs an einen ſtillen Ort
zu entrücken und ihm eine Gerechtigkeit angedeihen zu laſſen, die
ihm die Mitlebenden verſagten.
Eines Gerüchtes, daß der alte Kaiſer nicht geſtorben, ſondern
von ſeinen Feinden ſtranguliert worden ſei, erwähnt der Mönch

von Vaaſt in ſeinen Jahrbüchern bei Pertz, Mon. II, 203. Das
Volk aber, das von ihm ein ganz ander Bild im Herzen trug, als

der Haß der Parteien, die ihn mit entſtellten Zügen der Nachwelt
geſchildert, und das in dem hereingebrochenen Fammer der näch—
ſten Fahrzehnte keinen Grund fand, ſeine Abſetzung als den An—
bruch beſſerer Zeiten zu begrüßen, hielt in Alemannien an dem
Glauben feſt, daß er gar nicht geſtorben ſei und noch, wie früher
und ſpäter manch ein anderer Held, in irgendeiner Höhle ver—
borgen ſitze, um zu rechter Stunde wieder herauszutreten und
die Zügel ſeines Reiches zu Handen zu nehmen. Mehrere Auf⸗
ſtände in Alemannien gegen den durch Karl des Dicken Sturz
emporgekommenen Kaiſer gaben Zeugnis von dem Anteil, den
man für ſeinen abgeſetzten Vorfahr hegte.
Auch die neuere Geſchichtſchreibung beginnt, die wahren
Gründe der Abſetzung und das ſeither dem dicken Kaiſer zugefügte
Unrecht einzuſehen, und es wird zugegeben, daß die Machi⸗
nationen des hohen Klerus, der damals mit der Einführung des
pſeudoiſidoriſchen Kirchenrechts in Deutſchland beſchäftigt war
und einen ſeinen herrſchſüchtigen Beſtrebungen willfährigen Kai⸗
ſer bedurfte, „guten Teils“ an jener Abſetzung ſchuld geweſen.
S. Efrörer, Geſchichte der oſt- und weſtfränkiſchen Karolinger
II, 293.
31*


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