Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 10
(PDF, 113 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0010
10 . Reiſebilder.

ſo ſcharf als ſtimmungsvoll gezeichneten Bildniſſe prägen ſich dem
Gedächtnis unverlierbar ein.
Seine volle Meiſterſchaft entfaltet der Verfaſſer in dem Auf⸗
ſatz aus dem Hauenſteiner Schwarzwalde. Die lange und
genaue Beobachtung während der anderthalb Fahre Säckinger
Praktikantenzeit, die liebevolle Neigung zu dieſen waldurſprüng-
lichen Menſchen, die den Polizeireſpizienten in ſeiner Amtsſtube
wie ein lebendiges Volkslied anmuteten, haben ihn zu einer aus-
gezeichneten Schilderung befähigt. Wohl fand er eine brauch-
bare Vorarbeit in dem Aufſatze, den Zoſeph Bader in ſeiner
„Badenia“ über „die ehemalige Grafſchaft Hauenſtein und ihre
Bewohner“ geliefert; Tatſachen, Gedanken, den Ausdruck ſelbſt
hat Scheffel mehrfach von da entnommen, die geographiſche
Schilderung des Eingangs faſt wörtlich entlehnt. Aber er hat
ſeinen Vorgänger weit übertroffen in der Art, wie er die Hotzen,
ihr Land, ihr Haus, ihre Faulheit, ihre Trunk- und Streitſucht
ſcharf beobachtet und mit dem erquickenodſten Humor geſchildert
hat, wie er ihre eigenartige, dem Staat ſo anſtößige Rechts-
auffaſſung, ihre dem Gebildeten ſo anſtößige religiöſe Einſtellung
aus dem naturbedingten Weſen dieſer Bauern, ſichtlich unter dem
Einfluſſe Riehlſcher Gedanken, erklärt und in einzelnen Pracht-
geſtalten, wie dem fürigen Alexander oder dem großen Prozeß⸗
hanſel Peter Gottſtein, mit wahrhaft dichteriſcher Kraft geſtaltet
hat. Auch der langausgeführten Geſchichte der Hauenſteiner
Aufſtände wird man, wie ſie als ein beinahe notwendiger Aus-
fluß des Volkscharakters dargeſtellt ſind, mit unermüdeter Teil-
nahme folgen.
In den Reiſebildern aus Südfrankreich, die wir jener in
Eiſenharts Geſellſchaft unternommenen Reiſe im Frühſommer
1856 danken, gilt das vielleicht nicht in gleichem Maße. In der
Lebensgeſchichte des Begründers der Kartauſe, in den weit aus—
geſponnenen Geſchichtserzählungen über Avignon, den Über-
ſetzungen aus Petrarca tritt das Geſchichtliche und Kulturgeſchicht-
liche mit ſelbſtherrlichen Anſprüchen in zu großer Ausdehnung
und zugleich weniger lebendig und weniger eingeſchmolzen in die
Betrachtung des Landes hervor, die eigentliche Reiſeſchilderung
überwuchernd und erſtickend. Freilich ſteht auch hier Treffliches
daneben: wie anmutig iſt nicht die kurze Legende des heiligen

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