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Einleitung des Herausgebers. 11
Béenẽézet erzählt! Er könnte Dutzende ſolcher Berichte ſchreiben,
wenn er Stimmung und Zeit hätte, ſchrieb Scheffel damals an
Schwanitz. Die Auswahl, die er traf, iſt immerhin bezeichnend.
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Man erkennt den Verfaſſer des „Ekkehard“, wenn ihn das Le—
ben der Mönche in der Kartauſe und die eigenartige päpſtliche
Geſchichte Avignons feſſelt; in Petrarca hat ihn neben dem
Dichter gewiß auch der „Turiſt des 14. Fahrhunderts“ angezo⸗
gen. Hier iſt ihm die Lebensgeſchichte ſeines Helden zu einer
Satire auf die Behandlung der Dichter durch die zünftige Lite-
raturwiſſenſchaft geworden; die trüben Lebenserfahrungen der
vorausgegangenen Zeit haben überhaupt ihre Schatten über
dieſe Reiſebilder geworfen. Erſt nach langer Pauſe ſtellt der
Verfaſſer ſich der Offentlichkeit noch einmal als Reiſeſchriftſteller
mit den „Skizzen aus dem Elſaß“ vor, die 1872 in „Uber
Land und Meer“ erſchienen, eine Frucht ſeiner eifrigen Wande-
rungen durch das neugewonnene Land. Sie zeigen deutlich
die geſunkene Kraft. Die kunſtgeſchichtliche Beſchreibung einer
Kirche füllt weſentlich die erſte, eine Sammlung von Urkunden⸗
regeſten die zweite Skizze. Selbſt die Schilderung des Odilien-
berges iſt mehr aus Büchern zuſammengequält als aus friſcher
Anſchauung geſchöpft.
Auch auf dieſem Gebiete blieb dem Dichter ſo manches un⸗
ausgeführt, was er geplant. Eine Beſchreibung ſeiner norman⸗
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niſchen Reiſe, die wie die franzöſiſchen Reiſebilder in „Weſter⸗
manns Monatsheften“ erſcheinen ſollte — es waren die Zeich—
nungen dafür ſchon auf Holz geſchnitten, — blieb im Lexte
ſtecken; am meiſten bleibt zu verwundern, daß Scheffel aus Ita—
lien keine Schilderungen geliefert hat, obwohl er ſich vorgenom⸗
men hatte, mit der „Allgemeinen Zeitung“ deswegen noch vor
Antritt der Reiſe in Verbindung zu treten. Die öffentlichen Be⸗
richte über die zweite IZtalienfahrt hat ihm Otto Müller für ſein
„Frankfurter Muſeum“ abgenötigt: den Brief aus Benedig,
der, im ganzen trockener, immerhin mit bemerkenswerter Kunſt
auf engem Raume eine farbige Schilderung der wunderſamen
Stadt gibt, und dann die Aufſätze aus den Tridentiner Al—
pen. Zu dieſen hat Scheffel einen Bericht an den „Engeren“
verarbeitet, den wir lieber in ſeiner urſprünglichen und vollſtän⸗
digeren Geſtalt unter den „Epiſteln“ mitteilen wollten.
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