Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 24
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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24 G Reiſebilder.

draußen ſchon mit Eiſenbahnen vollſtändig umſponnen iſt,
dann kommt vielleicht die Zeit, wo von Flanz nach Trons
und der Oberalp hin eine Poſtſtraße angelegt wird, und
Wanderer nach uns ſchauen dort den letzten Poſtillon mit
denſelben Gefühlen an, wie wir den alten Antony. Wenn s
aber auch die Eiſenbahnen anderwärts ſchon zu den Alter-
tümern gerechnet werden und in Luftballonen ein neues
Reiſen im Gange iſt, dann dringt vielleicht auch der
Schienenweg noch bis in die letzten Winkel des Rheintals,
und der Urenkel Foſeph Antonys ruft der Lokomotive
etwa als Heizer ſein „Altol hẽ bougre!“ ſo intenſiv zu als
ſein Ahn heute unſerm Rößlein. Solche Perſpektive in
die Wechſelgänge der Weltgeſchichte ſuchten wir dem bie—
dern Antony zu eröffnen; er aber ſchüttelte ſein greiſes
Haupt träumeriſch und ging nach dem Stall. 15
Den grauen Mauern und Türmen von Flanz ſchenk⸗-
ten wir keine Aufmerkſamkeit. Einen Blick in die Einfach—
heit der Formen, in welchen heutigentages die Demokra⸗
tie im Bündner Oberland gehandhabt wird, gewährte das
Fremdenbuch des Gaſthofs. Zwiſchen den dünn geſäeten 20
Namen der Reiſenden erſcheint hie und da ein Eintrag
des Inhalts, daß ſich aus den Hochgerichten des grauen
Bundes die Abgeordneten dahier eingefunden und die
auf zwei oder drei Fahre verfaſſungsmäßig beſtimmte
Wahl der Funktionäre am Bezirksgericht, der Geſchwore- 25
nen uſw. vorgenommen hätten. Sodann iſt das Reſul⸗—
tat der Wahl, die Zahl der für die Gewählten abgegebenen
Stimmen und Namen der Gewählten verzeichnet und der
Akt abgeſchloſſen; das Fremdenbuch iſt ſomit zugleich
öffentliche Urkunde und Wahlprotokoll. 30
Der Fahrweg zieht vom linken Ufer des Vorderk/ Rheins
bei Jlanz ſeitwärts dem Gebirge zu, in gewaltigen Win⸗-
dungen berganſteigend. An zwei hellen kleinen Seen
liegt das Dorf Lax mit altertümlichen Herrenhäuſern. Daß
der Adel, der ſich hierlands erhielt, in ſpätern Zeiten der 28
ſchwäbiſchen Ritterſchaft zugeteilt war, zeigt eine VBappen-
ſchrift am Hauſe weiland Herrn Fohann de Corays' von
und zum Seblen von 1617, der ſich als „Kavalier des Hei—



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