Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 39
(PDF, 113 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Aus den Rätiſchen Alpen. 3. 39

und Mann Raum genug fanden, italiſche Reiterſtücklein
weiter zu kultivieren, geht der Pfad ſeitab nach Ponte
reſina.
Gewaltige Bergmaſſen hüten rechts und links den Ein⸗
5 gang in dies Seitental, durch welches ein Saumpfad —
der in den nächſten Fahren ſchon zur großen Heerſtraße
und gewichtigen Verkehrslinie umgeſchaffen ſein wird —
am Bernina vorüber gen Tirano und Sondrio, lombar⸗-
diſchen Rebgeländen, Maulbeer- und Feigenbäumen ent—
10 gegenführt.
Bei dem alten Gemäuer einer in den einfachen For—
men romaniſchen Rundbogenſtils erbauten, an die Berg—
wand angelehnten Kirche lohnt ſich's, noch einmal ins
Engadeinertal zurückzuſchauen. Da heben ſich die hellen,
15 ſaubern Häuſer von Celerina und der ſchlanke Turm der
dortigen Kirche gar fein vom dunkeln Tannenhintergrund
der Vorberge ab, hinter welchen der Sauerbrunn von
St. Moriz beim grünen Bergſee hervorſprudelt, und hoch
auf türmt ſich über der Landſchaft der Piz Urſina, in deſſen
20 Felsſchluchten blendend weiße Schneefelder an die Him—
melsbläue anſtreifen; gen Norden aber ſteigen aus dem
grünen Wieſengeländ' der Hochebene die Dörfer Sama—
den, Bevers, Ponte, Madulein und am jenſeitigen Inn—
ufer Camogaſk auf, ein freundlicher Gegenſatz zu den kah⸗-
25 len, graugelben Felsrücken, die vom Albula und Skaletta
herab ſich talabwärts ſenken.
Das Tal des Inn verlaſſend, kommen wir dem Alpen-
dörflein Ponte reſina näher. Schon aus der Ferne hatten
zwiſchen den Tannen- und Lärchenwäldern, die das rechts
zo von der Berninaſtraße einbiegende Tal von Roſegg um⸗
ſchließen, einzelne blendend weiße Kuppen und Spitzen
geiſterhaft herausgeblickt; vor Ponte reſina aber treten
die Säume der Wälder zurück, und vor uns liegt in unver⸗-
hüllter Majeſtät das Schnee- und Eisfeld des Roſeggio—
35 gletſchers, deſſen letzte Ablagerungen bis tief ins Tal her⸗
unter ihre grauen Arme herabſtrecken, während im grellen
Silberglanz die ſonnbeſchienenen Höhen das Auge blen—
den. Dieſes gewaltige Eismeer, deſſen erſtarrte Ströme


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