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42 Reiſebilder.
ſenſibler ſind als anderwärts, als eine zwar ſehr inter⸗
eſſante, aber auch ſehr zuchthausreife Perſönlichkeit ab—
konterfeit war. Da wurde erzählt, wie er bereits einen
Tiroler erſchoſſen und deſſen Jagdwaffen als Trophäe zu
Haus aufgehängt habe; wie er in Bigamie lebe, ihm jedoch
der Verſuch, beide Frauen bei ſich unter einem Dach zu
haben, weniger als dem frommen Grafen von Gleichen
geglückt ſei; wie er, ein zweiter Freiſchütz, ſich dem Teufel
verſchrieben und überhaupt noch erkleckliche Schandtaten
begangen haben ſolle.
Nach Fahr und Tag drang die Kunde von jenem Ar—
tikel ins Tal von Ponte reſina und erregte gewaltigen
Rumor. Bekannt iſt, wie eines Tags bei der Redaktion
in Stuttgart ein Brieflein mit dem unbekannten Poſt—
ſtempel Samaden eintraf, worin Vater Colani gegen
jeden romantiſchen Nimbus entſchieden proteſtierte und
die Touriſtenſchilderung, wofern ſie nicht bewieſen würde,
für „leichtfertige Verläſterung“ erklärte. Auch am Fuß
des Bernina wirkte das unſelige Schriftſtück nachzitternd
fort und erzeugte noch einen Verleumdungsprozeß zwi⸗—
ſchen Colani und dem andern Wirt auf dem Bernina, der
ſelbige Gerüchte dem literariſchen deutſchen Gemsjäger
aus Brotneid aufgebunden haben ſoll; nach mannig—
fachem Zeugenverhör wurde der Beklagte vom Dorf—
gericht Samaden ſchuldig geſprochen und hatte mehr als
dreihundert Franken Koſten zu bezahlen.
Colani, der alte, wurde aber nimmer und nimmer-
mehr ganz beruhigt, und es ſteht zu vermuten, daß ſein
letzter Gedanke beim Sterben ein ſtiller Fluch auf die Er⸗
findung der Buchdruckerkunſt und der Stuttgarter Blätter
insbeſondere war, weshalb wir ſämtlichen Korreſponden-
ten in betreff engadeiniſcher Fäger und Fagdſtücke größere
Genauigkeit dringend anempfehlen.
Unſer Führer — der, wie ſeine Schweſter, von Jugend
auf den Vater auf die Fagdzüge begleitet hatte — war
eifrig bemüht, Wahrheit und Dichtung vom Ruf des Ver⸗
ſtorbenen auszuſcheiden, ſprach ſehr deſpektierlich von
jenem Schriftſteller und ließ allerlei Andeutungen fallen,
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