Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 56
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0056
56 Reiſebilder.

„der Ofen iſt Proſa und nur der Kamin iſt Poeſie“; —
aber ein Winteraufenthalt zu Herriſchried im Wald würde
ihn vielleicht belehren, daß noch mancherlei irdiſche Dinge
ſeinen Kategorien nicht vollkommen adäquat ſind, daß
unter anderm auch hier in behaglicher Ofenwärme reale
Poeſie ſprießt. Hier ſummen, wie die Mücken, viele gute
Gedanken um den Wälder Träumer, hier liegt — als
unbewußter Pfleger hiſtoriſcher Sitte („ceterum intecti
totos dies juxta focum atque ignem agunt'“, Tacitus
Germ., c. XVII) — der „Hans Jörg“ „de lange Weg überem
Ofen?“ und ſtützt ſein Haupt mit dem Ellenbogen; hier
ſchwebt die Erinnerung an ſein „dunderſchieſſiges Maidli“,
ans Breneli mit den kaſtanienbraunen Zöpfen, um ihn,
und er macht den Schlachtplan, wie er das nächſtemal

ſchlauer zu ihr zu „Kilt?“ gehen will, daß es niemand im

Dorf merkt, und wie er auch einen handfeſten Prügel
mitnehmen will, um dem Nebenbuhler, wenn er ihm
wieder am Weg ſteht, Red' und Antwort zu geben. Hier
ſitzt — denn die Ofenbank iſt hierarchiſch abgegliedert —
am beſten Platz der Ätti und „ſchnätzlet ſeinen Tubak“,
und wenn der Lichtſpan angezündet, dann rücken die
Frauenzimmer („Wybervölker“ heißt eigentlich der Hauen⸗
ſteiner ſeine Damen)
— „s Chüngi, und 's Anne Bäbi, und 's Marei,
Mit „de Chunkle“ ans Liecht, und ſpanne d'Saite und ſtriche
Mittem Schwärtli's Rad und zupfen enander am Ermel““,

und dann wird am Großvater gebettelt, daß er was
Schönes erzähle, und wenn der Alte 's Pfifli mit Bedacht
gefüllt und am Lichtſpan angebrannt hat, dann läßt er
ſich auch bewegen und erzählt ihnen eine jener wunder-
ſamen Geſchichten vom „Karfunkel“ oder vom „Statt-

20

30⁰

halter zu Schopfheim“, die Hebel ſo getreu und wahr der

Kunkelſtube abgelauſcht hat — oder er weiß von ſchlimmen



ſchilderungen, darunter „Zwei Monate in. Paris“, Oldenburg 1851. Die an—⸗
gezogene Außerung ſteht in Bd. 2, S. 35. — 1 „Im übrigen unbekleidet
bringen ſie ganze Tage am Herde und am Feuer zu.“ — 2² So in Hebels Gedicht
„Der Karfunkel“. — ⁸ Alemanniſche Bezeichnung für den abendlichen Gang
des Burſchen zum Fenſter der Geliebten. — ⁴⁶ Im vorgenannten Gebichte.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0056