Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 62
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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62 Reiſebilder.

runt, extremo ac novissimo jactu de libertate et de
corpore contendant'“, ſchließt ſich aber jener Vorfall an,
worüber der Rößlewirt von Girsbach nähere Auskunft
geben kann: daß nämlich in ſotaner Wirtsſtube einſtmals
zwei Burſche miteinander des Kartenſpiels gepflogen und
der eine, als alles Geld und ſogar der „Heckenpfennig“,
der alte Mariathereſiaſechsbätzner verloren war, ſchließ—
lich ſeinen Ohrlappen eingeſetzt, worauf ihm, als er auch
diesmal verſpielt, der Gewinner ruhig, als ob ſich's von
ſelbſt verſtände, denſelben abſchnitt. „Ea est in re prava
pervicacia, ipsi fidem vocant“. Germ., c. XXIVe. — Noch
über Tacitus hinaus, bis an den alten Homeros ſelber
und der Troer und Dardaner blutige Feldſchlacht ge—
mahnen aber die Fehden der ſtreitbaren Jugend einzelner
Dörfer gegeneinander, und zwiſchen Altenſchwand und
Bergalingen und hinten bei Herriſchried ſind ſchon ob un—
treuer Helena nicht minder ſchwere Kämpfe ausgefochten
worden als auf dem Blachfeld am Scamander und Si—
mois, „und graunvoll brüllte der Schlachtruf“. Freilich
iſt die Gegenwart undankbar, und ſtatt eines Homeros

finden die Kämpfer nur einen Kriminal- oder Polizei-⸗

inquirenten vor, die Unterſuchungsakten werden ihre
IJlias, und unbewundert verhallen die Streiche, die „Jo—
hann Fromherz, des grauen Hanſen Langer“, oder „Joſef
Küezi des Alexis“ hochtrotzenden Muts im Gewühle der
Streiter geſchlagen.
Auf Zeichen und übernatüuürliche Erſ cheinungen hält der
Wälder nach Art ſeiner Altvordern und im guten Bewußt⸗
ſein, daß der Menſchenwitz nicht überall hinreicht zur Er—
gründung der Wahrheit, noch immer ein Erkleckliches, und
wenn auch der Hausvater nicht mehr in heiligen Nächten
die Miſtel vom Baum ſchneidet und damit die Gottheit
prüft, ſo haben wir doch ſelber noch von einem charakteri-

1 „Das Würfelſpiel treiben ſie als ein ernſthaftes Geſchäft mit ſolcher
Tollkühnheit im Gewinnen und Verlieren, daß ſie, wenn ſchon alles ver⸗
lorenging, auf den letzten Wurf ihre perſönliche Freiheit ſetzten.“ Aus dem
24. Kapitel der „Germania“. — ²2 „So groß iſt ihre Hartnäckigkeit in einer
ſchlechten Sache; ſie ſelber nennen es Treue.“

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