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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 63
ſtiſchen Ordale vernommen. Ein alter „Salpeterer“ (wir
werden deren nähere Bekanntſchaft in einem ſpäteren
Briefe machen), der ſeither die Lehre ſeiner Sekte von
Nichtanerkennung der badiſchen Landeshoheit aufgegeben
5 und ein guter Staatsbürger geworden, erzählte, das ſei
ſo gekommen: Als ſeine Genoſſen wegen ihres paſſiven
Widerſtandes viel Verfolgung auszuſtehen hatten, auch
der eine oder andere bereits zu näherem Nachdenken in
das Freiburger Arbeitshaus verſetzt war, da kamen doch
10 einige Skrupel über ſie, und in nächtlicher Verſammlung
auf dem Felde bei Dogern wurden zwei geweihte gleich
große Kerzen angebrannt, die eine für die Regierung des
Großherzogs von Baden, die andere für die „gute“ Sache
der Salpeterer, und welche Kerze länger brenne, die ſolle
1s recht haben. Selbigesmal ſei aber das Salpetererlicht
zuerſt erloſchen, und von da an habe er ſich mit ſeinem
Gewiſſen abgefunden und den „alten Rechten vom Gra—
fen Hans“ den Abſchied gegeben. L
Daß der Hauenſteiner in kirchlichen Dingen nicht auf
20 Seite der „modernen Wiſſenſchaft“ ſteht, wird nach dieſen
Zügen klar ſein. Er hält ſtreng und treu an ſeinem (katho⸗
liſchen) Glauben. 's hat lang gedauert, bis ſeine Ahnen
ſich zur Annahme bequemten. Als der heilige Frid olinus
aus Frland herüber kam und auf der Rheininſel Sacco—
25 nium der chriſtlichen Kultur eine Stätte bereiten wollte,
da ſaßen die Hauenſteiner noch als ſchnöde Heiden auf
ihren Bergen, und die Legende weiß böſe Dinge darüber,
wie ſie dem Apoſtel des neuen Glaubens mitgeſpielt. Noch
ſteht beim Münſter zu Säckingen die Linde, unter der der
z0 iriſche Dulder ein Obdach ſuchte und von deren ÄAſten die
mit Gold gefüllte Taſche ſich zu ihm herabneigte, als ihn
die Heiden höhniſch aus der Herberge gejagt, vermeinend,
er könne die Zeche nicht bezahlen; und mit Mißhandlungen
trieben ſie ihn ſpäter als einen explorator und insidiator
35 pecorum von hinnen.
Nachdem ſie aber chriſtlicher Lehre ſich zugewendet,
1 „Ausſpäher des Viehs“; ſo in Kapitel 30 der „Vita/S. Fridolini“.
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