Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 65
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0065
Aus dem Hauenſtelner Schwarzwald. 65

in unzerbrochener Treuheit feſtzuhalten gedenke“. Dieſe
Erklärungen wurden aber hierlands nicht etwa durch Pfar-

10

20

rer und Schulmeiſter oktroyiert, ſondern ſind ehrlich aus
dem innerſten Weſen des Landvolks hervorgegangen.
So hat auch jene moderne, humane und mit einem
Anflug von Rationalismus verſetzte Richtung, welche der
unter Weſſenberg' herangebildete katholiſche Klerus vor
einigen Fahrzehnten zu vertreten ſuchte, nie Eingang beim
Hauenſteiner gefunden; er ſchaute immer mit Verdacht
darauf, wenn nur das geringſte Beiwerk am Kultus ge—
ändert werden ſollte, und die Renitenz, die viele Gemein—
den entgegenſetzten, wenn das Roſenkranzbeten oder die
Wallfahrten nach Einſiedeln hinüber nicht mehr ſo häufig
ſtattfinden, oder wenn das Glockenläuten zur Bannung
eines heraufziehenden Gewitters abgeſchafft werden ſollte,
hat manchem Pfarrherrn trübe Stunden verurſacht. Der
Wälder will in allem Kirchlichen entſchieden „Farbe be—
kannt“ haben; darum neigt er ſich auch mit Vorliebe den
neuerdings aufgetretenen JZeſuitenmiſſionen zu. Die ge—
waltige Redekraft der Miſſionäre, das ungeſchminkte Aus—
malen der Sünde und ihrer Folgen, die breite Schilde—
rung der hölliſchen Strafen in allen Abſtufungen, all dies
trifft. den Punkt, von dem aus ſein Herz zugänglich iſt, und
er ſieht ſeinem einheimiſchen Geiſtlichen ſcharf auf die
Finger, ob dieſer etwa den Kopf über die neuen Gäſte
geſchüttelt. Wer den Hauenſteiner kennt, dem iſt auch die

unrgeheure Wirkung erklärlich, die ſeinerzeit der „Kalender

30

für Zeit und Ewigkeit“, den ſo mancher moderne Kultur-
menſch naſerümpfend aus den Händen legt, in den Hütten
des Landmanns hervorgebracht hat. Der Ton, der dort
angeſchlagen wird, geht mehr in Mart und Bein als die
Süßlichkeiten der Baſler Traktätlein oder nüchterne Er⸗
bauung im Tone der „Stunden der Andacht?“. — Wem
freilich die Volksmoral am Herzen liegt, dem bleibt manche

1 Ignaz Heinrich Karl Freiherr von Weſſenberg (1774 bis
1860), Bistumsverweſer in Konſtanz, begründete für die Erziehung der jungen
Geiſtlichen das Seminar in Meersburg. — ² Von H. Zſchokke (zuerſt Aarau
1809—16 erſchienen).

Scheffel. IV. 5


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0065