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68 Reiſebilder.
Staatsſyſtems ſind nicht die ſeinigen. Das Konſkriptions-
weſen, die Ablöſung des Zehnten mit ihrer verwickelten
Berechnung, die zentraliſierte, unter Kontrolle der
Schreibſtube geſtellte Gemeindeordnung, die die Bewirt-
ſchaftung von Forſt und Feld ſtreng regelnden Geſetze,
und namentlich der Angriff, den die Polizeiverordnungen
gegen ſeine alten harmloſen, aber ihm teuren Sitten und
Gebräuche unternommen haben: zur Beurteilung von all
dem fehlt es ihm an der nüchternen Verſtändigkeit, wie
an der Einſicht in die Gründe ſolcher Inſtitutionen; er
fühlt, daß ſie kein Fleiſch von ſeinem Fleiſch, kein Blut
von ſeinem Blut an ſich haben. Darum denkt er mit un—-
beſtimmten Wünſchen an die gute alte Zeit zurück; es iſt
ihm unbehaglich, er verhält ſich ſtumpf, indifferent, in
vielen Fällen hartnäckig, eigenſinnig, trotzig gegen die
neuen Formen. In den Vorhallen der Amtsſtuben, wo
dem Wälder in langem Warten allerlei Gedanken durch
den Kopf fliegen, finden ſich oft Inſchriften, in denen ſich
eine ſonderbare Kritik Luft macht: bei ganz unparlamen-
tariſchen Außerungen, z. B. „wenn doch nur ein heiliges
Kreuzdonnerwetter das Amthaus in Erdboden hineinver-
ſchlüge!“ auch der Ausdruck eines naiven Mißbehagens,
das da fühlt, wie ihm die Weisheit der Schreibſtube ſeinen
eigentlichen Boden unter den Füßen hinwegnimmt. „Die
Welt iſt ſo voller Eitelkeiten“, ſchrieb einſt ein Wälder
Kritiker, der wahrſcheinlich in Konflikt mit irgendeiner ihm
unbekannten BVerordnung geraten war, „daß man zuletzt
nicht mehr weiß, wie man auf die Füß muß ſtehen; der
gut Euſeb VBölkli macht ſich, wenn es möglich, zum Ländli
hinaus.“
Eine Heranziehung des Bauersmanns durch Hingabe
an ſeine Originalität, durch Ergründung ſeiner eigentüm⸗-
lichen Art und Gewohnheit, im Sinn der von H. W. Riehl
neuerdings' ſo überzeugend vertretenen Bauernpolitik,
1 In dem Buche „Die bürgerliche Geſellſchaft“ (Stuttgart 1851), in den
Kapiteln über die Bauern. Scheffels Ausführungen ſind in den dort ent-
wickelten Gedanken durch dieſen ganzen Aufſatz bis in den Ausdruck hinein
aufs ſtärkſte beeinflußt.
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