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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 69
kann in dieſer Beziehung noch manche Runzeln auf der
Hauenſteiner Stirn glätten helfen, während das „Ein-
zwängen in die geraden Linien eines Staatsideals“ bei
dieſen ſcharfkantigen Menſchen immer ein unfruchtbares
5 Beginnen bleiben wird.
So iſt auch dem Wälder der Begriff des konſtitutio⸗
nellen Staats ein verſchloſſenes Buch mit ſieben Siegeln.
Seine zähe Erinnerung reicht noch in die Zeiten hinauf,
wo der Kaiſer im Weltlichen, der Papſt im Geiſtlichen die
10 Angelegenheiten der Welt lenkten, und er weiß, daß ge—
rade damals ſeine bäuerliche Einungsverfaſſung entſtan⸗
den iſt; der Mechanismus des konſtitutionellen Syſtems,
wo nicht ſeine Intereſſen, ſein Stand als ſolcher repräſen-
tiert ſind, iſt ihm fremd, und zudem weiß er, daß es die
15 Haupturſache der vielen neuen Geſetze iſt, die ihm ſo ſehr
zu ſchaffen machen, ohne daß er ſie ganz verſtehen kann.
In den dreißiger Fahren, als es im badiſchen Land für
eine gewaltige Ketzerei galt, an den Prinzipien der kon—
ſtitutionellen Staatsweisheit zu zweifeln, ſah ſich ein alter
20 Hauenſteiner veranlaßt, zu Nutz und Frommen ſeiner
Söhne ein politiſches Teſtament aufzuſetzen. Benedikt
Tröndle hieß der Wälder Politiker, deſſen Namen wir um
ſo weniger verſchweigen dürfen, als ihm heutzutag, „nach
dem Ende des parlamentariſchen Lebens auf dem Feſt—
25 land“, die Anerkennung gewichtiger Parteien an der
Spree wie anderwärts nicht fehlen wird. Dasſelbe endigt
aber alſo: „Und iſt hienach mein Schluß: Gott, der römi⸗-
ſchen Kirche und der Monarchy treu zu bleiben, noch lieber
mein Haupt durch die Schärfe des Schwerts laſſen, als
30 mit freiem Willen untreu werden. Mit der landesſtändi⸗
ſchen Verfaſſung will ich nichts zu ſchaffen haben, denn
die Erfahrung hat mich zur Belehrung gebracht: wie mehr
Hirten, wie ſchlechter gehütet, und wie mehr Unheil unter
Hirten und Herde entſteht. Lochmatt, am 24. Novembris
35 1834. Benedikt Tröndle.“
Bei ſolchen Anſichten über Kirche und Staat iſt er—
klärlich, daß der Hauenſteiner zu den revolutionären Be—
wegungen in Baden ſich durchaus negativ verhielt. Er
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