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74 Reiſebilder.
handnehmen eines bäuerlichen Proletariats ohne allen
Grundbeſitz und ohne die Möglichkeit, in dieſer Abge—
legenheit durch Handarbeit etwas zu verdienen, hatte die
Staatsregierung veranlaßt, eine Auswanderung der Be—
drängteſten nach Amerika auf Staatskoſten zu organiſieren.
— Es war damals auf dem Wald große Bewegung; in
Herriſchried wurde in verſchiedenen Ateliers geſchneidert
und geſchuſtert, um die Betreffenden zur Fahrt übers
„große Waſſer“ gehörig auszuſtaffieren. Unter denen, die
von der Gemeinde als die Auswanderungswürdigſten vor—
geſchlagen waren, befand ſich auch unſer Wirt-Stellver-
treter. Er warf einen Blick voll ſpäter Selbſterkenntnis
auf ſeine Fugend zurück und erklärte, wie er von jeher
lieber auf der „Kunſt“ herumgeſeſſen und Tubak geraucht
habe, als'was Ordentliches gearbeitet; wie es ihm früher
geſchienen, „lieber ein leerer Darm als ein müder Arm“,
und wie er in allen Wechſelfällen des Lebens dem Grund—
ſatz: „g'ſoffe muß doch ſy!“ treu geblieben. So ſei er all-—
mählich um ſein Gütlein gekommen, und außer dem roten
Geſicht habe ſich auch eine Art Verwirrung im Kopf, eine
eigentümliche „Kopfſinnierung“ bei ihm eingeſtellt, ſo daß
er jetzt hier „nüt mehr nutz“ ſei. Zum Heiraten hatte es
Alexander nicht bringen können. Dagegen ſtellte er uns
das ſchneidernde Maidli am Ofen als ſeinen Schatz oder,
wie auf dem Wald in herber Roheit die armen Perſonen
heißen, die ohne die Weihe der Ehe mit Kindern geſegnet
ſind, als ſein „Wybertier“ vor, das er jetzt mit nach
Amerika nehme und drüben zu heiraten gedenke.
Die Notwendigkeit des Auswanderns erkannte er mit
Reſignation an und ſprach ſich dankbar über den Staat
aus, der ihm die Möglichkeit dazu gab; wie denn überhaupt
beim bäuerlichen Proletarier jener ſchäbige verbiſſene
Haß, den der moderne Mann des vierten Standes gegen
alles, was nicht iſt wie er, ex officio hegen zu müſſen
glaubt, ſelten zu finden iſt. Der „füürige Alexander“ war
ſich im Gegenteil über den Grund ſeiner Verkommenheit
klarer als alle, welche in gleichen Umſtänden ihn in der
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falſchen Organifation der Geſellſchaft ſuchen; und ſogar
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