Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 75
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 75⁵5.

als wir ihm eröffneten,; wie er in den Vereinigten Staaten,
um Arbeit zu finden, den Genuß geiſtiger Getränke ab—
ſchwören müſſe, und wie die Aufnahme in den Mäßig—
keitsverein eine Hauptbedingung ſeines Fortkommens
drüben ſei, meinte er, er werde ſich halt auch das gefallen
laſſen müſſen, zumal da er in der Alten Welt noch für
einige Fahre ſeines Lebens „vorausgetrunken“ habe.
Von einer Sorge konnten wir unſern Freund im „dür-
ren Aſt“ befreien. Er hatte einen ſtattlichen jungen Hund,
den er nicht mit „ins Amerika“ nehmen, auch bereits nicht
mehr füttern konnte. Dieſen kauften wir ihm für ein an—
ſehnliches Geldſtück ab. Da ſich aber der Zweifel erhob,
ob er bei den Leuten jenſeits des toten Bühls auch ge—
deihen könne, ſo wurde vorgeſchlagen, ihn vorerſt „feſt“
machen zu laſſen. Es ſei, ſo wurde uns vertraut, ein alter
Mann im Dorf, der „Oberibacher Seppli“, der Wiſſen—
ſchaft von viel Geheimniſſen und allerhand alte Bücher,
zum Beiſpiel auch des Doctoris Fausti „Höllenzwang“
beſitze, und ſei kein Zweifel, daß er gegen Wetter, Hagel⸗
ſchlag und Viehkrankheit einen guten Spruch wiſſe, ſowie
denn einer ſogar behaupten wollte, er verſtehe ein Gebet,
mit welchem man ſeinem Feinde, auch wenn er weiter
als eine Tagreiſe entfernt ſei, unverſehens eine Tracht
Prügel auf den Hals beten könne. Da jedoch der Ober-
ibacher Seppli nicht gern vor Herren ſeine Kunſt zeigte,
weil er fürchtete, das Bezirksamt möchte Notiz davon
nehmen, und weil er in früheren Zeiten, als er den Geiſt
„Aſtorus“, dem alle Schätze auf dem Wald untertan ſind,
beſchwören wollte, einmal von der Obrigkeit bös ausge⸗
wiſcht worden war, ſo wurde der Hund zu ihm geführt
und in Bälde als „gefeſtet“ wieder zurückgebracht. Dabei
wurde eine auf dreieckiges Papier geſchriebene Formel

übergeben, die nach dem Rat des Feſtmachers dem Hund,

wenn er je krank werden ſollte, in blauem Band um den
Hals gehängt werden müſſe, worauf ſich alles geben
werde. In der Formel aber kamen neben vielen Kreuzen
und Schnörkeln auch die böſen Worte: „Asrias“, „Aes—
trias“, „Sruss“, „Srass“, „Ateſtſtooss“, vor, und blieb


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