Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 80
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0080
80 Reilſebild er.

Alexander“ zum Abſchied. — Im Hauenſteiniſchen gibt's
nämlich auch aparte Geiſter, die nicht einmal in Görres
„Myſtik“, jenem Hof- und Staatskalender der Geiſterwelt,
nach Rang und Titel angeführt ſind. Ein ſolcher iſt der
Meiſenhart Foggi, der ſich lediglich im Tannenwald auf
dem Eggberg aufhält und deſſen amtliche Stellung im
Geiſterreich darin beſteht, heimkehrende Biedermänner
irrezuführen oder ſonſt durch mannigfachen Schabernack
auf die Verwirrung ihrer Begriffe hinzuarbeiten, was er
denn mit Geſchick und Humor tut, und wenn nur die
Hälfte von der Meiſenhart Joggi-Tradition ihren Grund
hat, ſo exiſtiert gar mancher, der ſeinen Schädel ſeitab

vom Weg ſchon hart an die Willaringer Tannen an-

geſtoßen hat und zum Glauben an den Joggi bekehrt
wurde. Und durch alle Ungunſt der Zeiten und durch den
Zweifel ſchnöder Rationaliſten hindurch hat der Meiſen—

hart Joggi ſeine Exiſtenz behauptet, wiewohl niemand

ergründen konnte, ob er als Unterſtaatsſekretär oder vor—
tragender Rat oder gar nur als Volontär in dieſem
Geiſterdepartement arbeitet, und warum er ſeine ſoziale
Poſition gerade zwiſchen Egg und Willaringen gefunden
hat. Darum wär's auch ein frevelhaft Beginnen, den
Hauenſteinern dort jene Hebelſche Geiſtertheorie vorzu—
tragen:
„Und der Frrgeiſt wohnt im Wi. Us Channe und Chruſe
Stigt er Eim in Chopf und macht zerrüttete Sinne.
Seller Geiſt führt irr im Wald uf Wegen und Stege,
's geht mit Eim z'unterſt und z'oberſt, der Bode will unter Eim
breche,
D'Brucke ſchwanke, d'Berg biwege ſi, alere de doppelt?“;

um ſo mehr, als entſchiedene Tatſachen vorliegen, daß

auch ſolche, die nur ein „einzig Schöppli“ beim alten

Balthes zu Willaringen oder ſonſt getrunken hatten, nicht
ungerupft durchkamen.

1 „Oie chriſtliche Myſtik“ 1836—42 erſchienen. Der 3. und 4. Band han⸗
deln in ber Tat ſehr ausführlich über die „dämoniſche Myſtik“ und das „Hexen-
und Zauberweſen“. — ² Aus Bebels Gedicht „Geiſterbeſuch auf dem Feld⸗-
berg“. „Chruſe“ = Krüge.

30⁰


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