Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 109
(PDF, 113 MB)
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Ein Gang zur großen Kartauſe in den Alpen der Dauphins. 109

übrigen Klöſtern im Land Helvetien neuerdings zuteil
geworden, wohl kaum anzunehmen ſei, daß die Kartauſe
Ittingen ſich noch im geiſtlichen Stand befinde.
Der Kapitelſaal, in welchem ſich von Zeit zu Zeit die
Superioren ſämtlicher Klöſter des Ordens zu Beratung
gemeinſamer Angelegenheiten einfinden, enthält eine be—
deutende Statue des heiligen Bruno von der kunſtreichen
Hand Foyatiers, deſſen Spartacus wir ſchon im Muſeum
zu Lyon geſehen; — um die Wände reihen ſich die Por—
10 träts der fünfzig erſten Ordensgenerale, eine Sammlung
von Köpfen, bei deren ſcharfem Ausdruck ein Phyſio⸗
gnomiker viel lehrreiche Betrachtungen über die Um—
prägung des menſchlichen Antlitzes durch fortgeſetzte As—
keſe anſtellen könnte.
15 Der Hauptſchmuck des Saales aber ſind die Kopien
von Euſtach Le Sueurs berühmten Bildern aus dem Le—
ben des heiligen Bruno, deren Originalien in Paris
prangen'.
Er hatte ſich's nicht gedacht, der Meiſter Euſtach, Si—
20 mon Vouets farbengewandter Schüler, da er unter den
Mauern der Kartauſe von Paris den Degen zog, um mit
einem übermütigen Edelmann einen Waffengang zu tun,
daß er ſelber ein Kartäuſer werden und ſeinen Pinſel fort-
an zur Verherrlichung des Ordensſtifters führen werde.
25 aber auch die Kunſt hat ihre gewieſenen Wege zur Ein⸗
ſamkeit und Askeſis.
Vom Kapitelſaal geht's in den großen Kreuzgang, in
welchen die Zellen der Mönche ausmünden; dieſe Zellen
befinden ſich nicht im Zuſammenhang eines großen Ge—
zo bäudes, ſondern eine jede iſt ein ſelbſtändiger Anbau, ein
Häuslein für ſich, enthaltend zwei Gelaſſe, darin ein Raum
zum Gebet und ein Studierzimmer abgeteilt ſind; im
untern Stockwerk aber, das ein kleiner Garten umgibt,
eine Werkſtatt, um durch die Anſtrengungen der Hand—

1 Im Louvre, wohin ſie 1776 aus dem Kartäuferkloſter des Luxem-
bourg gebracht wurden. Hier hat Euſtache Le Sueur (1617—55) ſie in
den Jahren 1645—48 gemalt, als er nach Tötung des genannten Duellgegners
ſich dahin geflüchtet hatte.


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