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116 Reiſebilder.
Avignon.
Es war eine ſeltſame, beinahe bedenkliche Eiſenbahn⸗
fahrt, die mich im Funi 1856 von Tarascon nach Avignon
beförderte. In der Not der allgemeinen Überſchwem-
mung, die ſich damals über das mittägliche Frankreich ver⸗
heerend und verwüſtend ergoß, war auch der Schienen—
weg allenthalben zerſtört; aber der Kaiſer hatte ſeinen
Willen ausgeſprochen, daß die gewohnten Verbindungen
ſobald als möglich wieder hergeſtellt würden; und was
Napoleon III. verlangt, das geſchieht zur Zeit in Frank⸗
reich und mitunter auch anderwärts, ohne daß von Schwie⸗
rigkeiten oder Unmöglichkeiten in der Ausführung viel die
Rede ſein darf.
So war auch die Bahnſtrecke von Carascon nach Avi-
gnon wenig Tage nach ihrer Zerſtörung wieder in fahr-
baren Stand geſetzt; wo der Damm auf weite Strecken
hin vom Anprall der Gewäſſer fortgeriſſen und ſpurlos
verſchwunden war, hatte man in angeſtrengter, täglich und
nächtlich ununterbrochener Arbeit, oft mitten in dem noch
immer flutenden Waſſer, einen Notdamm herrichtet, deſſen
Grundlage aus vielen tauſend und aber tauſend mit Erde,
Sand und Steinen gefüllten Leinwandſäcken beſtand;
gleichviel ob dieſe Grundlage eine zweifelhafte: es muß
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gehen! hieß es, und darum ging es auch. Item, die Bahn
war wieder fahrbar, wenn auch ein deutſcher Techniker hin⸗
länglichen Grund gehabt hätte, dem Wort „fahrbar“ den
Zuſatz „Aber fragt mich nur nicht, wie?“ hinzuzufügen.
Niemals habe ich einen ſo vollkommenen Eindruck von
ſündflutlichen und nachſündflutlichen Zuſtänden davon-
getragen, wie auf dieſer Fahrt, und mancher der Mit- 30
fahrenden ſchaute mit hellen Tränen im Aug' oder laut
wehklagend auf das weiland ſo ſchöne Land hinaus, deſſen
Kornfelder, Olivenpflanzungen und reich wie Gärten an—
gebaute Parzellen mit dem ganzen eben reifen Ernte—
ſegen — alles unter einem Schlamme begraben ruhten.
Kaum mag ein Schlachtfeld ſchrecklichere Bilder auf⸗
zuweiſen haben als eine ſolche Walſtatt elementaren
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