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122 Reiſebllder.
ſcheinung ſelbſt treue Kinder der Kirche, wie jene engliſche
Dame“*, die neulich das Leben der Francesca Romana be—-
ſchrieben, zu dem Geſtändnis zwingt, daß, würde ihr auf—
gegeben zu ſagen, wann ſie am wenigſten gern gelebt
haben wollte, wann wohl am meiſten ihr Glaube gefähr⸗-
det und ihr Herz verwundet ſein möchte, ſie wohl am
eheſten das Ende des vierzehnten und den Anfang des
fünfzehnten Fahrhunderts nennen würde.
Strömender Regen ſchlug nieder, als ich in den Hof
des Papſtſchloſſes eintrat. Es dient gegenwärtig als Ka—
ſerne der Beſatzung von Avignon; der alte Kaſtellan lag
krank und beauftragte einen geſchniegelten jungen Kor—
poral mit ſorgfältig gewichſtem Schnurrbart, uns herum—
zuführen und alles genau zu erklären.. HKeine Aufgabe,
welcher derſelbe auch aufmerkſam und nicht ohne ge—
ſchichtliche Beſtrebungen nachzukommen ſuchte.
Auch das Innere des Schloſſes trägt den kriegeriſchen,
bis an die Zähne gewaffneten Charakter; alles darauf be⸗
rechnet, daß im Fall einer Belagerung nach Erſtürmung
der Tore in dieſen innern Räumen der Kampf mit Er—
folg noch fortgeſetzt werden möge. Türme beherrſchen
den weiten Hofraum, Schießſcharten bedrohen ihn ...
als letzter Rückzugsort der Beſatzung ragt ein rieſiger vier-
eckiger Turm, die turris magna et quadrata Papſt Bene—
dikts XII., wo die damalige Architektur all ihre finſtern
Geheimniſſe, myſteriðöſe ſich plötzlich verlierende Treppen,
eiſerne undurchdringliche Falltüren, Schlupftore, unter—
irdiſche Gänge uſw. in unheimlicher Fülle entwickelt hat.
Die innern Teile haben von ihrer Gewaltigkeit da—
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durch verloren, daß ſie, den modernen Kaſernenzwecken 30
entſprechend, vielfach verbaut, durch eingeſchobene Wände
und Halbierung der hohen Stockwerke in zwei niedere uſw.
entſtellt ſind.
Die zahlreiche militäriſche Einlagerung, die während
* Lady Georgiana Fullerton!.
eifrige Ratholikin.
1 1812—85, fruchtbare Romanſchriftſtellerin und ſeit ihrem UÜbertritt (1846)
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