Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 134
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0134
134 Reiſebilder.

gefügt, daß die Baugeſchichte des Palatiums zu Avignon
unter Papſt Klemens VI. (1342— 1352), der den Bauten
ſeines Vorgängers Benedikt XII. den Abſchluß gab und
insbeſondere die capella major, die audientia und die
terraciae superiores zufügte, ſowie die von ihm angeord-—
nete Ausſchmückung des Konſiſtoriums mit paſſenden Fi—
gurenbildern und Sprüchen (der Papſt ſelber verlangte,
daß „sub cujuslibet effigie seu figura, aut in rotulis quos
suis gestare videntur in manibus seu dicta seu scripta.
literis grossis et legibilibus scriberentur, libros et capi-
tula in quibus continentur, rubeis literis designando“)
in der prima Vita Clementis VI. bei Baluze I, 263 des
ausführlichen beſchrieben ſteht.
Und wer ſich etwa für die ökonomiſchen Verhältniſſe
eines damaligen Kardinals und für die gangbaren Gold⸗-
und Silbermünzen intereſſiert, der möge in Baluzes Ur—
kundenbuch (tom. II, pag. 762) das Inventar über das
bare Geld nachleſen, das nach dem Tode des Kardinals
Hugo Rogerius im Fahre 1364 ſich in ſeinem „großen
roten, mit Eiſen beſchlagenen“ Koffer vorfand. Die erſten

5

10

15⁵

dreißig Säcke, welche die Teſtamentsvollzieher heraus-

griffen und mit der großen Goldwage Stück für Stück
prüften, enthielten ein jeder fünftauſend Florentiner
Goldgulden von feinem Gold und Kameralgewicht, — tut
zuſammen 150000 Goldgulden, ungerechnet deſſen, was
in den übrigen „Sacculis, bursis et panniculis“ an allen
möglichen neuen und alten Münzſorten der Chriſtenheit

(„Scutati, pavilhioneles, floreni auri del grayle, grossi

Turonenses, librae et solidi sterlingi argenti, moneta ni-

gra regni Franciae“ uſw.) enthalten war. Dem frommen 30

Erblaſſer ſcheint einiger Goldregen von den Einkünften

des JZubeljahrs zugeſtrömt zu ſein. —
Nachdem ich noch im ſüßen Schlummer mit Avignons
babyloniſcher Epoche mich beſchäftigt und einen wütenden

1 „Unter eines jeden Bild oder Figur oder auf Rollen, die ſie in Händen
halten, ſchriftliche oder mündliche Außerungen mit großen lesbaren Buchſtaben
geſchrieben würden, unter Bezeichnung der Bücher und Kapitel, in denen ſie
enthalten ſind, mit roten Buchſtaben.“


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0134