Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 135
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Avignon. 135

Kampf geträumt, in welchem die ſtrengen kurzkapuzigen
Franziskaner ein Kloſter ihrer Brüder „von der Kom—
munität“ ſtürmten und ihre langbekutteten Widerſacher
zu Tor und Fenſter hinauswarfen, war der nächſtfolgende
5 Tag einem Rundgang durch die Stadt gewidmet.
Die ſich an das Papſtſchloß anſchließende Kathedrale
Notre-Dame des Graces hat ein Portal, deſſen korinthiſche
Säulen einem antiken Bauwerk entnommen ſind. Ver—
blichene Fresken auf blauem Grund, ein Christus salva-
10o tor mundi mit Engeln und eine kaum mehr erkennbare
Anbetung der Könige (2) ſind aus frühitalieniſcher Zeit
und einigen Bruchſtücken nach zu ſchließen feiner behan—
delt als die Giottos Namen tragenden Malereien in den
Inquiſitionsräumen des Schloſſes. Die Revolution der
1s neunziger Fahre konnte Portal und Kirche nur dadurch
vor der Zerſtörung retten, daß ſie die ſeltſame Inſchrift
„monument antique et curieux“ breit anſchrieb.
Ein ſtattlicher, weißmarmorner Papſtſtuhl von plum—
pen Formen, zur Seite das Relief eines geflügelten
20 Löwenungetüms tragend, erinnert an Avignons klaſſiſche
Zeit; ebenſo das ziemlich rohe Denkmal Benedikt XII.,
der im Fahre 1342 hier beigeſetzt ward. Friedlich ruht
unweit dieſes Kirchenfürſten ein provenzaliſcher Kriegs—
mann des ſechzehnten Jahrhunderts, Louis Balbe Berton
25 de Crillon, „nommé le brave par les braves euxmêmes“,
wie die Grabſchrift ſagt, der, wiewohl er ſeit ſeinem funf⸗
zehnten Jahre bei keiner Affäre gefehlt und trotz ſeiner
Wunden von Lepanto, ſein Leben doch auf vierundſieben—
zig FJahre brachte und erſt 1615 das Zeitliche ſegnete.
z3o Wenige Schritte von der Kathedrale entfernt ragt eine
von Zugwind ſtets umblaſene Felsterraſſe empor, le-
rocher de Notre-Dame. Dieſen ſtattlichen „Luginsland“
muß man erſteigen, um einen weiten und großartigen
Rundblick bis ins Provenzaliſche und ins Languedoc hin—
35 über zu gewinnen. Da kommt von Norden aus weiter
Ferne die Rhone längs ihrer turm- und burgengekrönten
rebenreichen Ufer einhergeſtrömt, um ſich mit der aus den
Meeralpen ihr entgegeneilenden Durance zu vereinigen;


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