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136 Reiſebilder.
— dort drüben an dem rechten Afer lagerte einſt Hannibal
mit der karthagiſchen Armee und ließ Schiffe und Kähne
zimmern, bis Mann und Roß und Elefant ſicher auf das
diesſeitige, vom galliſchen Landſturm nur ſchwach ver—
teidigte Ufer des gewaltigen Stromes überſetzen konnten; 5
auch ein reiches Stück Mittelalter ſteht auf den Hügeln des
rechten Rhoneufers in Stein gemauert: das umfangreiche,
im Geviertraum die Berghöhe umfaſſende Fort Saint—
André, mit ſeinem dicken runden Turmgeſchwiſterpaar am
Eingang, ſeinen hohen Wällen und Zinnen... und un- 10
mittelbar daneben Villeneuve-lez-Avignon mit ſeinem
rieſigen, viereckigen, den Rhoneübergang beherrſchenden
Turm, die jenſeitige Fortſetzung der Papſtreſidenz, das
Grab Innocenz' VI. und Johann XXII., einſt berühmt
durch ſeine Kartäuſer und Benediktiner, jetzt durch die
Schönheit ſeiner Frauen.
Der Blick rhone abwärts, wo ſich eine flache Landſchaft
gen Süden ſtreckt, iſt zum Teil verdeckt durch die gewal—
tigen Maſſen, Türme, Kapellen und Hofräume des päpſt-
lichen Palaſtes ſowie der Kathedralkirche. Aber drüben 20
im Oſten ſchaut eine weite, ſtattliche Bergkette aus dem
Nebel, die basses Alpes, die ſich um den wolkenumhüllten,
ſchon von Petrarca als Touriſten beſtiegenen Mont Ven—
toux ſchließen, und in deren Schluchten auch das ewig ge⸗
prieſen bleibende Vaucluſe verſteckt liegt. Unmittelbar 25
unter unſrer abgeplatteten Terraſſe dehnt ſich groß und
mächtig das gegen Wind und Sonne gebaute, weitſchich—
tige, unelegante, hochhäuſerige, rings noch mit Stadt—
mauer und Stadttürmen des vierzehnten Fahrhunderts
umzogene Avignon, und drunten in der Rhone ſelbſt 30
ragen düſter und verlaſſen, aber von ſtiller Poeſie um—
ſchwebt, die Trümmer eines Werkes, das ich nie ohne
Rührung betrachten konnte, die Brücke des heiligen
Bénézet.
Der heilige Benézet — wie manches auch die Legende z35
an ihm und ſeinem Brückenbau ausgeſchmückt haben mag
— bleibt immerdar ein guter Heiliger, zu deſſen Grab der
Künſtler lieber pilgert als zu manch anderm prunkenden
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