Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 139
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Avignon. 139

wäre ſonſt ein geeigneter Platz, eine jener Geſtalten i in der
dreifachen Krone mit Hirtenſtab und Schwert in Marmor.
oder Erz aufzuſtellen. Statt deſſen erhebt ſich hoch oben
das Standbild eines bärtigen Mannes in langem Talar,
der einen Büſchel Pflanzenſtengel in der Hand hält.
und wer iſt dieſer eherne Unbekannte, der wie ein Beherr-
ſcher auf Land und Stadt und Schloß der Päpſte herab—
ſchaut? .. .
Der Einführer der Krappkultur!
10% Es läßt ſich kaum ein ſchärferes Symbol des Proteſtes
des franzöſiſchen Bürgertums gegen alle Erxrinnerung an
die kirchlich feudale Bergangenheit denken als dieſes
Denkmal an dieſer Stelle. Ob eine bewußte Abſicht ſeiner
Errichtung zugrunde liegt, weiß ich nicht, aber die Fabri⸗-
1s kanten und Induſtriellen und Rotfärber des neunzehnten
Jahrhunderts hätten kein bedeutſameres Lied ohne Worte
erſinnen können, als indem ſie angeſichts der in Stein
geſchriebenen Geſchichte der Hierarchie dieſen Krapp—
wurzelfarbkraftentdecker, der bereits in den rotgefärbten
20 Hoſen der franzöſiſchen Armee ſein vieltauſendfältiges
Denkmal hat, auf das ehrende monumentale Piedeſtal er⸗
hoben. Und ein neckiſcher Humor hat es gefügt, daß auch
das eherne Standbild den entſchiedenen Färberberuf des
Krappentdeckers noch auf dem Felſen von Avignon in
25 ſchöpferiſcher Tätigkeit fortſetzt, denn infolge von Regen
und Oxydation hat das Erz der Figur den ſchönen weißen
Marmor des Fußgeſtells zerſetzend durchdrungen und mit
unverlöſchlichen Strichen zwar nicht krapprot, aber doch
giftig grünſpangrün gefärbt...
3o0o Das Muſeum Calvet, wohin ich in edler archäolo⸗
giſcher Wißbegier von hier aus meine Schritte lenkte, fand
ich in einem jammervollen Zuſtand, dem ich jedoch keine
Tränen, ſondern ein pietätloſes ſchallendes Gelächter
weihte. So viele Schreckensbilder auch die verheerende
35 Gewalt der Überſchwemmungen ſchon vor meine Augen
geführt hatte, auf den Schreck war ich doch nicht gefaßt,
ein archäologiſches Muſeum in Waſſersnot zu treffen!
Und doch war es ſo! Die Gewäſſer ſelbſt waren zwar


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