Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 146
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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146 Leiile bilder.

den Verkauf ſeiner Forellen. Darum ſteht auch gleich bei
der Einfahrt ein Obelisk mit der Inſchrift A Pétrarque“,
an der freilich etliche Buchſtaben abgefallen ſind, ſo daß
jetzt nur noch der Hieroglyph A. . TRA. QUE. ſichtbar
iſt. Der Gaſthof aber trägt das ſtattliche Schild: „Hôtel 5⁸
de Laure et de Pétrarque!“ —
Man macht verſchie dentliche Erfahrungen an Wirts⸗
hausſchildern im Lauf eines zu häufiger Einkehr verur-
teilten Lebens; — ſeit ich dereinſt zu Pompeji im Café
restaurant zum „Diomedes“ unweit der Eiſenbahn mein 10
Beefſteak nach der Karte und meinen Seefiſch verzehrt,
konnte es nichts Erſchütterndes mehr haben, auch bei der
Laura und beim Petrark einzukehren. Vielleicht daß unſre
Enkel einſtmals in Seſenheim ein ſtattlich Wirtshaus „Zur
Frie derike und zum Goethe“ oder bei Wetzlar eine Braue- 15
rei „Zum Werther und zur Lotte“ vorfinden; — die Nach⸗
welt hat verſchiedene Formen, ſich vergangener Liebe zu
erinnern. L
Wir beſtellten eine Mahlzeit und gingen vorerſt, ehr-
fürchtig wie ſich's an einem Orte geziemt, deſſen Wirts- 20
häuſer ſolche Namen tragen, zu der eine Viertelſtunde
entfernten Quelle.
Petrarca war ein landſchaftlicher Feinſchmecker; es
mag einer in vieler Herren Ländern ſuchen, bis er ein ſo
reizendes, zu einſamer Pflege der Muſen geeignetes, mit 25
immer friſcher Naturfülle das Gemüt anmutendes Ort-
lein gefunden, und wenn von ihm nichts bekannt wäre,
als daß er die üppig lärmende Papſtſtadt am Rhoneufer
verlaſſen, um an dieſem kühlrauſchenden Felsquell feſt—
geſiedelt ein otium cum dignitate zu pflegen, ſo würde 20
es genügen, den Mann von gediegenem Geſchmack, den
Kenner eleganter Natur zu bekunden.
Der Pfad zur Quelle der Sorgue, jener „dolce sentier,
che sl amaro riesci'“, zieht ſich auf deren rechtem Ufer, an
einer Felsgrotte, dem,‚trou du Coulobré“, das die Sage 25
zur Behauſung des vom heiligen Veranus vertriebenen

1¹ Fener „füße Pfad, der ſo bitter endet“.


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