Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 150
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0150
150 Rellſebilder.

Weihgeſchenke, welche die Sauerwaſſertrinker des Alter⸗

tumes nach glücklich vollbrachter Kur den Nymphen zum

Dank in die Quellen verſenkten. Da ich aber bei dieſer
Gelegenheit, den Widerhall der Felswände zu prüfen,
mit ſtarker Stimme: „Petrark! Petrark!“ rief, klang leiſe

gehaucht ein „... Arg! Arg!“ zurück, ſo daß ich von jeder

weitern Behelligung des Echo ſofort abſtand.
Noch lange blieb ich oben auf meinem Steinblock ſitzen,
in der Leſung der „Rime“ des Meiſter Francesco vertieft;
das Rauſchen des Quells und der flutende Wohllaut ſeiner
Sonette war zwiefache Muſik; vieles bekommt an Ort

und Stelle erſt ſeine Geſtalt, und ſcharf und plaſtiſch

ſpringt oftmals ein Stück Landſchaft, eine Felswand, ein
Gebüſch, der Quell ſelber, ſozuſagen der ganze Vaucluſer
Lokaleindruck aus den melodiſchen Sängen. Wie die
Staatsweiſen herausfanden, daß ganze Nationen eigent-
lich nur der menſchlich formulierte Ausdruck ihrer Heimats-
erde ſind, ſo iſt's auch für Erkenntnis des Poeten unerläß⸗
lich, den Boden ſeiner Schöpfungen zu kennen,

—,
„.ꝑ. . Scis, quo colle sedes? majestas quanta locorum est?J.

und hinterwärts von Langenſalza und Halberſtadt darf
man wohl bis an das Ende der Tage vor der Gefahr ſicher
ſein, von petrarchiſchen Sonetten überflutet zu werden.
Inzwiſchen hatte die Wirtin „Zur Laura und zum
Petrark“ ein treffliches Mittagsmahl bereitet und ſchickte
ihren Boten, der mich zu ſoliderer Beſchäftigung nach
Vaucluſe zurückrief. Mit Befriedigung überzeugte ich
mich, daß für Petrarcas Frühſtücke und geſamte „Natur⸗-
verpflegung“ in dieſem einſamen Tal genügend geſorgt
und namentlich ſeine Feſttagstafel mit erleſenen Gerichten
ausſchmückbar war; der Quell vereinigt das AKützliche mit
dem Schönen und liefert nicht nur die Anregung zu un—
ſterblichen Geſängen, ſondern auch feine Aale, ſchmack-
hafte Forellen und delikate Krebſe — bei lukulliſchem Feſt-
mahl zu prangen würdig.

1 „Weißt du, auf welchem Bügel du ſitzeſt? Wie ehrwürdig die Statte iſt 2“
(aus der 3. Ekloge von Petrarcas „Carmen bucolicum“).

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