Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 152
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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152 Reiſebilder.

noch ragte vorn im Garten am feuchtfriſchen Ufer hoch und
ſtolz der Lorbeer, wie jener, von dem er einſt geſungen:
„. fcosli cresca '' bel lauro in fresca riva
E chi '1 piantò, pensier leggiadri et alti
Nella dolce ombra al suon dell' acque scrivar!“
noch ſtrömte murmelnd das Flüßlein vorüber, das einſt zu
jeder Stunde mit ihm geweint:
„. . t1ꝑà bel rio ch'ad ogni or meco piange“,
das er, in dichteriſcher Lizenz der Beſchreibung, durch
ſeine Tränen anſchwellen machte,
„— fiume che spesso del mio pianger cresci —“
und in Erfüllung gegangen war die ſtolze Prophezeiung,
die er ſeinem Freund Olympus ausgeſprochen, daß in
Zukunft bei vielen der Ort Vaucluſe nicht weniger durch
ſeines Poeten Namen als durch den wunderſamen Quell
gekannt ſein werde... (Opinari ausim, apud multos non
minus locum illum meo nomine quam suo miro licet
fonte cognosci. Epistolar. lib. VIII, ep. 116.)
„Hier alſo“ — ſchrieb Meiſter Franciscus Petrarca der-
einſt ſelber — „hab' ich die Sorgen der Stadt mit länd—
licher Ruhe vertauſcht, dieſen Ort hab' ich nicht durch
meine Wahl allein, ſondern auch durch eine ländliche
Mauer und, wie ich hoffe, durch noch ſolideres Zement,
durch Wort und Dichtung, nach Kräften zu ſchmücken ge—
ſucht. Hier — denn mit Freuden denk' ich daran — hab'
ich meine,‚Africa' begonnen, mit ſolchem Ungeſtüm und
ſolcher Einſetzung geiſtiger Kraft, daß ich jetzt nur wie eine
Schnecke auf jenen Spuren einherſchleiche und faſt ſelber
von meiner Keckheit und dem großen Fundament des
Werkes erſtaune. Hier hab' ich keinen geringen Teil

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meiner Epiſteln in gebundener wie ungebundener Rede

und meine bukoliſchen Dichtungen vollendet — in einer
Kürze der Zeit, darüber du dich verwundern würdeſt.
„Kein Ort gewährte mir mehr Muße und ſchärfere An—
1 „Drum, ſchöner Lorbeer, wachſ' auf Ufers Matten;
Und, was ſein Pflanzer Freudiges erſonnen,

Schreib' er beim Laut des Bachs im ſüßen Schatten.“
(Nr. 115; überſetzt von K. Förſter.)


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