Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 153
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0153
10

Ein Cag am Quell von VBaueluſe. 153

regung, die ausgezeichneten Männer aller Länder und
Jahrhunderte um mich zu verſammeln; in jener Einſam—
keit hab' ich die vita solitaria und das otium der Religioſen
in einzelnen Abhandlungen auszuführen und zu preiſen
unternommen. L
„.. In jenen Schatten endlich hofft' ich, die jugend—
liche Glut, die mich ſo lange Fahre feurig verzehrte, zu
kühlen; ſchon in frühem Alter war ich gewohnt, dorthin
wie zu einer feſten Burg zu flüchten. Aber ach mir Un—
vorſichtigem! das Heilmittel ſelber wandte ſich zu meinem
Verderben, die Sorgen, die ich mitgenommen hatte, loder-
ten hoch auf, in der öden Einſamkeit war niemand, der

mir löſchen half, ſo ward ich nur um ſo verzweifelter ent-

zündet, die Flamme des Herzens ſchlug aus meinem
Mund, und ich erfüllte Täler und Lüfte mit klagens—
wertem, aber, wie manche geſagt haben, ſüßem Gemur⸗
mel. Hier entſtanden in der VBulgarſprache die Dichtuͤngen
meiner jugendlichen Kämpfe, über die mich jetzt Reue und

Scham befällt, die aber bei allen, welche an derſelben

20

35⁵

Krankheit leiden, ſo ſehr beliebt ſind.
„.. . Solang' ich lebe, wird jener Sitz mir der an—
genehmſte ſein, durch die Erinnerung an meine jugend—
lichen Sorgen, deren Reliquien mich noch in dieſem Alter
eifrig beſchäftigen.
„Aber wenn ich nicht ſelber mich irre: anderes hat der
Mann zu treiben, anderes der Füngling. Ich hatte in
jener Lebenszeit nichts anderes geſehen; richtiger Er—
wägung ſtand blinde Liebe entgegen, Schwäche der Zu—
gend und Mangel an Rat, es ſtand entgegen die Ehrfurcht
vor meiner Beherrſcherin, unter deren Szepter zu leben
mir mehr wert war als Unabhängigkeit, ja, ohne welche
mir an Freiheit und Lebensfreude etwas fehlte. Fetzt
freilich hab' ich jene und alles, was Süßes übrig war, in
einem Schiffbruch verloren, und — nicht ſprech' ich's
ohne Seufzen aus — mein einſt ſo blühender Lorbeer

(laurus), der allein mir die Sorgue und die Durance herr—

licher machte als den Tieino, iſt, von jähem Unwetter ge—
troffen, verdorrt..“


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0153